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Kulturabsagen wegen Corona: Was hat offen, was hat zu?

Das Kunsthistorische Museum bleibt leer(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Welche Museen geschlossen haben, welche Kinos noch Tickets verkaufen: Die Absagen im Überblick.

Der Intendant der Wiener Festwochen geht davon aus, dass das Festival ab Mitte Mai wie geplant stattfinden kann. Sonst liegt das Kulturleben lahm. Denn die Regierung verkündete Dienstagmittag, dass Freiluft-Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern und Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit über 100 Gästen bis Anfang April untersagt werden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Die Absagen im Überblick (der Artikel wird laufend aktualisiert):

Museen

Das Wien Museum schließt alle seine Standorte vorerst bis 5. April. Dazu gehören auch MUSA, Beethoven Museum, Pasqualatihaus, Schubert Geburtshaus und Sterbewohnung, Haydnhaus, Johann Strauß Wohnung, Römermuseum, Virgilkapelle, Neidhart Festsaal, Uhrenmuseum und das Pratermuseum. Die für für das letzte Märzwochenende geplante Eröffnung der Hermesvilla wird nicht statfinden.

Die Bundesmuseen werden bis zumindest Ende März geschlossen bleiben. Zu den Bundesmuseen gehören Albertina, Belvedere, Kunsthistorisches Museum (KHM), MAK, Mumok, Naturhistorisches Museum (NHM), Österreichische Nationalbibliothek und Technisches Museum.

Das Leopold Museum bleibt ebenfalls bis Ende März 2020 zu, ebenso wie das Heeresgeschichtliche Museum.

Auch die Wien Holding hat die Schließung seiner Häuser betroffen, das betrifft das Kunst Haus Wien, das Haus der Musik und das Jüdische Museum.

Das Architekturzentrum Wien stellt seinen Besucherbetrieb vorläufig ein.

Kino

Die Diagonale, das Festival des österreichischen Films in Graz, wurde ersatzlos gestrichen.

Die meisten Kinos werden die Anzahl der verfügbaren Plätze je Filmvorstellung auf hundert begrenzen. Darunter die Cineplexx-Kette, zu der auch die UCI-Kinos gehören. Zwischen verkauften Plätzen soll hier immer ein Sitz frei bleiben. Das versucht u.a. auch das Haydn-Kino.

 

Oper und Klassik-Konzerte

In der Staatsoper wird der Spielbetrieb völlig eingestellt. Volksoper, der Musikverein und das Konzerthaus sagten alle März-Termine ab.

 

Theater

Das Burgtheater hat sein gesamtes März-Programm in allen Spielstätten abgesagt.

Das Volkstheater, das derzeit wegen Sanierung die Halle E des Museumsquartiers bespielt, sagt dort auch alle März-Termine ab. Die Vorstellungen im Volx/Margarethen werden abgehalten und auf 99 Anwesende – das inkludiert Publikum wie auch Darsteller und Theaterpersonal – begrenzt. Zudem prüft man die Idee, Aufführungen als Live-Stream zu senden.

Das Theater in der Josefstadt und die dazugehörigen Kammerspiele bleiben leer, ebenso das Theater der Jugend und das Rabenhof-Theater. Das Theater in der Gumpendorferstraße (TAG) hat noch nicht entschieden.

 

Pop und Jazz

Das Jazzlokal Porgy & Bess will versuchen, alle Konzerte stattfinden zu lassen. Eine Möglichkeit wäre etwa, Konzerte in zwei Teilen abzuhalten, wobei jeweils nicht mehr als hundert Zuschauer zugelassen werden.

In der Wiener Stadthalle arbeitet man daran, Ersatztermine für die vielen März-Konzerte zu finden – betroffen ist etwa das James-Blunt-Konzert am 31. März. Nicht stattfinden wird jedenfalls das für 20. März geplante Santana-Konzert.

Für Barracuda Music, einen der größten Konzertveranstalter im Popbereich, bedeutet das Veranstaltungsverbot die Absage von 40 Konzerten bis Ende März, darunter ein Auftritt von Avril Lavigne.

Walter Egle, CEO des Konzert- und Showveranstalters Showfactory, sprach von "einem Wahnsinn für die Unterhaltungsbranche". Bei ihm seien in den kommenden Wochen konkret 14 Termine betroffen.

"Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen", heißt es wiederum in einem Statement von Konzertveranstalter Arcadia Live. "Generell gilt, dass wir gemeinsam mit den KünstlerInnen an Nachholterminen arbeiten." Bei Arcadia Live sind bis Anfang April 18 Konzerte (Digitalism, Max Herre etc.) betroffen.

 

Das Kulturleben in den Bundesländern

Burgenland

Die Kultur-Betriebe Burgenland GmbH stellen den Spielbetrieb vorläufig bis Anfang April ein. Betroffen sind die Kulturzentren (Eisenstadt, Oberschützen und Güssing), Liszt-Zentrum und Liszt-Haus in Raiding sowie Schloss Tabor, das Landesmuseum, die Landesgalerie und das Haydn-Haus Eisenstadt.

Auch der erste Zyklus des bevorstehenden Liszt-Festivals in Raiding von 19. bis 29. März sei somit abgesagt.

 

Kärnten

Das Stadttheater Klagenfurt gab bekannt, bis Anfang April zu schließen, der Vorverkauf für April laufe aber weiter. Im Konzerthaus Klagenfurt sind wiederum alle Veranstaltungen über 100 Personen betroffen. Aktuell warte man aber noch auf den entsprechenden Erlasses, sagte der Leiter des Klagenfurter Konzerthauses, Peter Töplitzer, auf APA-Anfrage. "Aber der wird sich wohl nicht viel von dem unterscheiden, was bisher kommuniziert wurde." Zu Absagen kommt es auch im Congress Center Villach, wo am Dienstagabend noch ein Vortrag stattgefunden hat. Vorerst geöffnet bleibt das Museum Moderne Kunst Kärnten, und auch die neuebuehnevillach sowie das klagenfurter ensemble setzen weiterhin auf Normalbetrieb. Nichts wird hingegen aus dem neuen Lake'n'Life-Festival am Weißensee im Sommer. Aufgrund der aktuellen Lage werde der Konzertreigen nicht stattfinden, eine Verschiebung auf Juli 2021 wird angepeilt.

 

Niederösterreich

Die NÖ Kulturwirtschaft schließt alle ihre Häuser, darunter das Landestheater Niederösterreich, die Kunsthalle Krems, die Landesgalerie, das Nitsch Museum und Rainer Museum sowie das Haus der Geschichte in St. Pölten und das Festspielhaus St. Pölten.

Das Theater Forum Schwechat hat die geplante Inszenierung für „Wie kommt das Salz ins Meer“ in den Herbst verschoben.

 

Salzburg

Am Salzburger Landestheater fallen bis zum 3. April insgesamt 34 Aufführungen im großen Haus sowie in den Kammerspielen aus.

Auch die Philharmonie Salzburg verschiebt bis zum 3. April alle Konzerte auf spätere Zeitpunkte.

 

Oberösterreich

In den Museen in Oberösterreich sind Besuche derzeit noch möglich, es gibt aber diverse Einschränkungen: So soll darauf geachtet werden, dass sich nicht mehr als 100 Personen gleichzeitig in den Ausstellungsräumen befinden. Veranstaltungen sowie Vernissagen finden nicht statt.

Nach dem Festival Nextcomic von 12. bis 21. März in Linz, Traun, Leonding und Steyr, das einige seiner größeren Veranstaltungen abgesagt hat, haben etliche weitere Kulturveranstalter nachgezogen: Die Passionskonzertreihe von musica sacra linz - vier Konzerte in Linzer Kirchen zwischen 22. März bis 4. April - entfällt vorerst. Man hofft, zumindest einzelne Veranstaltungen nachholen zu können. Die Salzkammergut Festwochen Gmunden verschieben ihre Frühlingsreihe "Frozen Flowers". Veranstaltungen der "TanzTage" im Linzer Posthof entfallen teilweise, an Ersatzterminen in der kommenden Saison wird gearbeitet. Das Filmfestival Crossing Europe, geplant von 21. bis 26. April in Linz, will mit einer Entscheidung noch zuwarten. "Wir schauen, welche Vorgaben von Stadt und Land kommen und wie unsere Kino- und Veranstaltungspartner reagieren", sagte Pressesprecherin Sabine Gebetsroither.

Es seien noch sechs Wochen bis zum Start, in einer Krisensitzung am Mittwoch sollten alle Szenarien von Absage bis zu möglichen Varianten ausgearbeitet werden. Man werde online informieren. Im Brucknerhaus wurden zahlreiche Konzerte und Veranstaltungen abgesagt bzw. verschoben. Das Landestheater, dass in allen Häusern seine Vorstellungen bis Ende März abgesagt hat, will kommenden Dienstag informieren, welche nachgeholt werden können. Der Vorverkauf für die Aufführungen ab 1. April läuft uneingeschränkt weiter.

 

Steiermark

Die Museen des Universalmuseums Joanneum haben den Ticketverkauf eingestellt. Die Standorte werden vorerst alle geschlossen, ebenso die Landesbibliothek und das Landessportzentrum.

Auf allen Bühnen von Oper Graz, Schauspielhaus Graz, Next Liberty Kinder- und Jugendtheater sowie den Grazer Spielstätten (Orpheum, Dom im Berg, Schloßbergbühne Kasematten) sind ab sofort bis Anfang April 2020 alle Veranstaltungen abgesagt.

Der Musikverein für Steiermark wird sämtliche Veranstaltungen im März 2020 auf die nächste Saison 2020/21 verschieben.

 

Tirol

In Tirol hat das dortige Landestheater alle Vorstellungen bis einschließlich 31. März abgesagt. Auch die Symphoniekonzerte des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, die Meister- und Kammerkonzerte sowie alle Veranstaltungen im Haus der Musik sind auf Eis gelegt. Betroffen von den Restriktionen ist etwa auch das Kulturveranstaltungszentrum Treibhaus in Innsbruck - dort bleiben bis zum Ostersonntag veranstaltungsmäßig die Schotten dicht. Geschlossen bleibt zudem die Innsbrucker Stadtbibliothek. Abgesagt wurden auch die Klaviertage vom 2. bis zum 5. April im Rahmen der Tiroler Festspiele Erl. Die fünf Standorte der Tiroler Landesmuseen sollen hingegen weiter geöffnet bleiben.

Vorarlberg

Die drei großen Vorarlberger Museen - Kunsthaus Bregenz, Vorarlberg Museum und inatura - bleiben vorerst ganz normal in Betrieb. Im Landestheater fallen hingegen bis 3. April alle Veranstaltungen im "Großen Haus" aus. Das Festspielhaus Bregenz sagt bis einschließlich 3. April alle Veranstaltungen über 100 Personen ab. Veranstaltungen in den beiden anderen Spielstätten des Landestheaters - der "Box" (60 Plätze) und dem "T-Cafe" (100 Plätze) - finden hingegen unverändert statt, "natürlich unter Einhaltung der behördlichen Auflagen", erklärte Werner Döring, Leiter der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (KUGES), gegenüber der APA. Im Kunsthaus und dem Vorarlberg Museum, die ebenfalls zur KUGES gehören, würden sich die Besucher über den ganzen Tag verteilen, so Döring. Außerdem seien die Kassenmitarbeiter angehalten, auf die Zahl der Personen im Haus zu achten. Auch im Dornbirner Naturkundemuseum inatura herrscht derzeit Normalbetrieb. Man habe noch keine anderweitige Weisung erhalten, so die Naturwissenschaftliche Direktorin Ruth Swoboda zur APA, und harre unaufgeregt der Dinge.

 

(Red./APA)