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Bangladesch: Textilarbeiter revoltieren

Bangladesch Textilarbeiter revoltieren
(c) Reuters (ANDREW BIRAJ)
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Der Mindestlohn liegt bei nur 19 Euro – im Monat. 15.000 Arbeiter gingen auf die Straße, um sofortige Lohnerhöhungen zu fordern. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.

Delhi/Dhaka. „Der ganze Stadtteil gleicht einem Schlachtfeld“, schrieb die Zeitung „Daily Star“ nach den Auseinandersetzungen zwischen demonstrierenden Textilarbeitern und der Polizei, die sich Mitte der Woche in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka abgespielt hatten.

Die unterbezahlten Textilarbeiter glauben der Regierung nicht, die bis Ende Juli eine Verdoppelung ihrer Mindestlöhne versprochen hat: Deshalb gingen erneut 15.000 Arbeiter auf die Straßen der Hauptstadt, um sofortige Lohnerhöhungen zu fordern. Demonstranten warfen Steine, die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Die Polizei meldete 25 Verletzte.

14 Fabriken in einer der größten Textilproduktionzonen des Landes bleiben geschlossen. Bereits vergangene Woche hatten 250 Fabriken ihre Produktion eingestellt, nachdem zigtausende Arbeiter demonstriert, Reifen verbrannt und Fahrzeuge umgeworfen hatten. Nach Angaben der Produzenten seien 200 Fabriken beschädigt worden, es käme zu zu Produktionsausfällen. Betroffen wären auch westliche Firmen wie H&M, Zara und Carrefour, die in den beschädigten Fabriken in Ashuli ihre Ware herstellen ließen, teilten die Produzenten mit.

Die Arbeiterlöhne in Bangladeschs 4000 Textilfabriken zählen zu den niedrigsten weltweit. Momentan liegt der Mindestlohn für die 2,5 Millionen Beschäftigten der Branche bei umgerechnet 19 Euro: „Wenn der Mindestlohn nicht auf 5000 Taka (umgerechnet 58 Euro, Anm.) steigt, werden wir weiter demonstrieren“, kündigte ein Gewerkschaftsführer an.

 

Druck aus dem Westen hilft

Vermutlich würden die Gewerkschaften auch der von der Regierung versprochenen Verdoppelung des Mindestlohns auf umgerechnet 38 Euro zustimmen – vorausgesetzt, sie kommt wirklich.

Bisher hatten sich die Arbeitsbedingungen vor Ort meist nur in Einzelfällen verbessert, wenn westliche Abnehmer ihre lokalen Lieferanten zu Zugeständnissen zwangen. Nach Einschätzung der internationalen Textilarbeiterorganisation haben bisher nur 100 von 10.000 westlichen Abnehmerfirmen in Bangladesch auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gedrängt. Gleichwohl zeitige der Druck aus dem Westen oft mehr Erfolg als der Protest vor Ort.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2010)