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Morgenglosse

Die EZB muss die Geldschleusen wieder öffnen

Christine Lagarde
Christine LagardeREUTERS
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Nullzinsen allein helfen gar nichts, wenn Betriebe wegen der Corona-Quarantäne stehen.

Die eskalierende Coronakrise setzt die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer heutigen Sitzung unter erheblichen Druck: Die US-Notenbank hat ihre Zinsen gesenkt, die Briten haben ihren Leitzins zurück gefahren, jetzt wird Action von den Euro-Währungshütern erwartet. Nur: Die Leitzinsen sind dort schon bei Null. Da geht nichts mehr. Man kann nur noch ein bisschen am negativen Einlagenzins für Banken drehen. Aber nicht zu stark, sondern bringt man die Geldhäuser, die ohnehin schon vor der drohenden Unternehmens-Insolvenzwelle zittern, um.

Wir werden diesmal also nicht auf die Zinsbeschlüsse schauen. Sondern auf die Maßnahmen zur Liquiditätsbereitstellung. Denn niedrige Zinsen helfen gar nichts, wenn die Betriebe wegen Quarantäne-Maßnahmen oder großflächigem Ausfall von Arbeitskräften stehen. Da wird ganz einfach Geld benötigt, um die Stehzeit zu übertauchen. Und zwar rasch, gezielt und umfassend.

Im Gegensatz zur Finanzkrise von 2008 liegt das Heft jetzt also nicht bei den Notenbankern, sondern bei den Regierungen. Das „whatever it takes“, mit dem Ex-EZB-Chef Mario Draghi den großen Euro-Crash abgewendet hat, werden wir jetzt wohl von den Regierungschefs der Euro-Länder hören müssen – und wohl auch hören.

So, wie es jetzt aussieht, wird das die bisher nur teilweise oder - wie im Fall Italien gar nicht – sanierten Staatshaushalte ganz ordentlich in die Bredouille bringen. Aber kurzfristig haben wir wohl keine andere Wahl, wenn aus der absehbaren Corona-Rezession nicht der finale Corona-Crash werden soll. 

Den Geldhahn „whatever it takes“ aufzudrehen, ist keine Kunst, wie wir schon gesehen haben. Die große Kunst besteht darin, die Geldschwemme nach der Krise wieder zurück zu fahren. Das wird das eigentliche Problem werden.