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Forscher rechnen mit Engpass an Spitalsbetten Anfang April

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Symbolbild(c) REUTERS (WOLFGANG RATTAY)
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Sollte sich das Coronavirus weiter exponentiell verbreiten, dürfte in etwa 14 Tagen das Kapazitätslimit an Betten in Intensivstationen erreicht sein, prognostizieren Komplexitätsforscher. "Weitaus drastischere Maßnahmen“ könnten nötig werden.

Berechnungen des Complexity Science Hub Vienna (CSH) zufolge könnte aufgrund der Coronavirus-Erkrankungen die Kapazität der Intensivbetten in österreichischen Spitälern in etwa 14 Tagen erschöpft sein. Einen Engpass an allen derzeit existierenden Spitalsbetten in Österreich erwarten die Forscher gegen Anfang April. Die Berechnungen gehen davon aus, dass die Ausbreitung exponentiell voranschreitet.

Die Anzahl der Fälle verdoppelt sich in Österreich derzeit etwa alle zwei Tage und acht Stunden, Italien hatte in der Woche von 17. bis 23. Februar in etwa dieselbe Verdopplungszeit. Eine Woche später, also etwa ab 24. Februar hätten in Italien die umgesetzten Maßnahmen in geringem aber nachweisbarem Ausmaß zu greifen begonnen und die Verdopplungszeit bei den Infektionen auf etwa drei Tage und zwei Stunden verlängert. In Österreich könne derzeit keine Verlängerung der Verdopplungszeit festgestellt werden, schreiben CSH-Präsident Stefan Thurner und Peter Klimek von der Medizinischen Universität Wien in einem "Policy Brief".

Früher und drastischer reagiert

Singapur und China hätten deutlich früher reagiert und drastischere Maßnahmen umgesetzt. So konnten die exponentiellen Ausbreitungsraten unter Kontrolle gebracht werden. "Die Tatsache, dass in Italien die Maßnahmen nur beschränkt greifen und immer noch exponentiell sind, zeigen, dass die derzeit in Österreich ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichend sind, um eine notwendige Reduktion der exponentiellen Ausbreitung in den nächsten Wochen zu garantieren. Engpässe in Spitalsbetten können daher nicht ausgeschlossen werden", schreiben die Wissenschafter.

Die Daten aus Italien würden zeigen, dass Maßnahmen wie Veranstaltungsverbote oder Schulschließungen das exponentielle Wachstum nur verlangsamen würden, "es ist aber immer noch exponentiell", sagte Thurner. Aus den - vertrauenswürdigen - Daten aus Singapur würden man hingegen sehen, dass man dort das exponentielle Wachstum in den Griff bekommen habe und dieses nur mehr linear erfolge.

„Drastischere Maßnahmen könnten notwendig sein“ 

Für ihre Berechnungen sind die Komplexitätsforscher von der Annahme ausgegangen, dass die Ausbreitung in Österreich weiterhin exponentiell voranschreitet, dass etwa fünf Prozent der Fälle kritisch sind und Intensivbetreuung benötigen, sowie dass weitere 14 Prozent der Infektionen so schwer verlaufen, dass sie medizinische Versorgung in Krankenhäusern benötigen. In diesem Szenario würde Österreich mit seinen gegenwärtigen Kapazitäten in etwa 14 Tagen, also zwischen 22. und 27. März in den meisten Bundesländern das Kapazitätslimit an Betten in Intensivstationen erreichen. Einen Engpass an allen derzeit existierenden Krankenhausbetten in Österreich erwarten die Forscher dann gegen Anfang April. Nicht eingerechnet wurde, dass Betten nach Genesung wieder frei werden - was laut Wissenschaftern aber vernachlässigbar sei.

"In Anbetracht dieser Szenarien könnten weitaus drastischere Maßnahmen notwendig sein, um die Situation schneller zu entschärfen, bevor man in medizinische Engpässe läuft", betonen die Forscher.

(APA)