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Nordfrankreich

Roubaix: Die Wirtschaftskrise wurde zur Chance

Nachnutzer. In dieser ehemaligen Fabrik ist heute ein Archiv untergebracht.
Nachnutzer. In dieser ehemaligen Fabrik ist heute ein Archiv untergebracht.(c) Gadeau/Wikimedia/Creative Commons
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Auch wenn wir in diesem Frühling 2020 andere Sorgen haben: Nach der Coronakrise werden wir wieder reisen. Aktuell können wir träumen, nachlesen, ja vielleicht sogar planen.

Es fühlt sich so an, als hätte ich jahrelang auf genau diesen Ort gewartet“, beschreibt Illustratorin Flora Beillouin ihren neuen Arbeitsplatz. Die vielseitige Künstlerin arbeitet gerade an einer Serie von Linolschnitten, die prominente Bewohner der Stadt vor dem Hintergrund erträumter Pflanzenparadiese zeigen. An anderen Tagen betreut die ausgebildete Journalistin Jugendliche aus unterschiedlichen sozialen Milieus, die gemeinsam neue Videoformate entwickeln. Ihr Atelier befindet sich in einem Palast, doch der war ursprünglich ein reiner Zweckbau: In der 1901 im nordfranzösischen Roubaix errichteten „Condition publique“ wurde einst Wolle gewogen, auf Feuchtigkeit und Qualität überprüft und eingelagert.

Wie an kaum einem anderen Gebäude kann man an dem einstigen Industriepalast die Geschichte der Stadt zwischen Lille und der belgischen Grenze ablesen: Die prächtige Fassade zeugt von altem Reichtum, doch man sieht ihr auch an, dass die Räder im Inneren schon lang stillstehen. Viel Street-Art ist an ihren Mauern und in den Straßen in der Umgebung zu sehen, doch sind die Bilder, die in keinen Rahmen passen wollen, nicht wie andernorts ein Hinweis auf Verwahrlosung – eher im Gegenteil: Die anarchische Kunstform ist ein wesentlicher Bestandteil des neuen Lebensabschnitts, in den der Wollpalast und die ganze Stadt längst aufgebrochen sind. Die Geschichte von Roubaix folgt dem Schema eines Heldenepos, in dem auf einen steilen Aufstieg und eine glanzvolle Periode ein tiefer Fall, die Läuterung und dann ein zweiter Frühling folgt