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Post: Kein Ende im Streit mit Bawag

„Unsere Dividendenrendite liegt bei über sieben Prozent“, so Post-Chef Pölzl.
„Unsere Dividendenrendite liegt bei über sieben Prozent“, so Post-Chef Pölzl.(c) APA/HERBERT PFARRHOFER
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Bereits zwölf Strafanträge wurden von der Bawag gegen die Post eingebracht, sagt Post-Chef Pölzl. Davon lasse man sich aber nicht bremsen. Das Coronavirus ist eine Bedrohung.

Wien. Etwa jeden zweiten Tag würde inzwischen ein Strafantrag der Bawag gegen die Post erfolgen, sagte Post-Chef Georg Pölzl am Donnerstag am Rande der Bilanzpräsentation. In Summe gebe es bereits zwölf Anträge mit der Androhung einer Beugestrafe von 100.000 Euro. Aber davon würde man sich nicht bremsen lassen. „Wir wollen die Servicelücke schließen, die von der Bawag hinterlassen wird“, so Pölzl.

Wie mehrfach berichtet, startet ab Anfang April die Post-eigene Bank99. Und bereits im Vorfeld hatte die Post eine Werbeaktion bei Bawag-PSK-Kunden gemacht. Sehr zum Missfallen der Bawag, die bis Ende März noch die Exklusivität auf Finanzdienstleistungen in den Postfilialen hat. Hintergrund ist der Kampf um die 1,2 Millionen PSK-Kunden, die nach der endgültigen Scheidung der langjährigen Partner ab April zu einem Wechsel bereit sein könnten.

 

„Man wird die AGB verstehen“

Die Post will diese Kunden jedenfalls mit „extrem einfachen und attraktiven Konditionen“ ihrem ehemaligen Partner abspenstig machen. „Wir werden die kürzesten AGB haben. Und man wird sie auch verstehen“, so Pölzl. 130 der 400 eigenen Postfilialen wurden daher zu „Finanzzentren“ ausgebaut. In den Filialen startet die Bank99 im April, bei den 1400 Post-Partnern ab Mai. Selbst angeboten wird von der Post dabei nur der Zahlungsverkehr. Kredite und Versicherungen sollen über Partner bezogen werden. Exklusivitätsvereinbarungen gebe es dabei nicht, es ist aber anzunehmen, dass die Grazer Wechselseitige, die zu 20 Prozent an der Bank99 beteiligt ist, eine Rolle spielen wird.

Keine Änderungen an den geschäftlichen Bank-Plänen soll die aktuelle Coronavirus-Krise bringen. Allerdings habe das Virus Einfluss auf das klassische Postgeschäft. So gebe es bereits Kunden, die bei der Übergabe von Paketen oder eingeschriebenen Briefen keinen Kontakt mehr zu den Post-Mitarbeitern haben wollen. Hier werde die Post Maßnahmen ergreifen, damit die Zusteller „nicht als Multiplikatoren fungieren“, so Pölzl.

Und auch in den Zahlen für 2020 werde die Krise spürbar sein – tendenziell negativ. Zwar dürfte sie eine weitere Verstärkung des Onlinehandels bringen, wovon die Post profitiert. Allerdings werde die erwartete Eintrübung des allgemeinen wirtschaftlichen Umfelds vor allem das Geschäft mit Werbung unter Druck bringen, prognostiziert Pölzl. Wie stark dieser Effekt schlussendlich sein werde, könne aber noch nicht gesagt werden.

 

Paketmengen steigen stark

2019 brachte der Post erneut einen Umsatzanstieg – um 3,2 Prozent auf 2,02 Mrd. Euro. Während es beim Brief- und Werbegeschäft ein Minus von knapp einem Prozent gab, erhöhten sich die Umsätze im Paketbereich um 14,5 Prozent. Hier war vor allem die Übernahme der Paketmengen von DHL verantwortlich. Aber auch die Zahl an Amazon-Paketen sei weiter gestiegen, obwohl der Handelsriese in den Ballungsräumen zunehmend selbst zustellt. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank um knapp vier Prozent auf 200,6 Mio. Euro. Grund dafür ist aber eine Rückstellung für die Strafe im Datenschutzverfahren im Ausmaß von 24,7 Mio. Euro. Pölzl geht nach wie vor davon aus, dass die Post hier nicht falsch gehandelt habe.

Die Aktionäre sollen mit einer Dividende von 2,08 Euro je Aktie am Gewinn partizipieren. Die Hauptversammlung soll wie geplant stattfinden, aber wenn möglich über das Internet virtuell besucht werden. Ihr Stimmrecht könnten die Aktionäre auch per Briefwahl wahrnehmen. (jaz)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2020)