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Stellenabbau

Lkw-Hersteller MAN will 6000 Jobs einsparen

Denn die Produktion von leichten und mittelgroßen Lastwagen in Steyr könnte nach Deutschland und Polen verlagert werden.
Denn die Produktion von leichten und mittelgroßen Lastwagen in Steyr könnte nach Deutschland und Polen verlagert werden.(c) APA/FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM (FOTOKERSCHI.AT/WERNER KERSCHBAUM)
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Die Berichte, das Werk des Lkw- und Busherstellers MAN in Steyr könnte schon bald geschlossen werden, schockierten die Belegschaft. Der Betriebsrat versucht zu beruhigen und beruft sich auf eine Standortgarantie.

Wien. Bei den österreichischen Mitarbeitern des deutschen Bus- und Lkw-Herstellers MAN ist die Sorge groß. Aus der deutschen Tageszeitung „Handelsblatt“ mussten sie erfahren, das der Konzern 6000 der 36.000 Arbeitsplätze zu streichen gedenkt. Davon betroffen soll, so hieß es, auch Österreich sein. Konkret stünde das Werk in Steyr, in dem 2300 Mitarbeiter beschäftigt sind, vor der Schließung.

Denn die Produktion von leichten und mittelgroßen Lastwagen in Steyr könnte nach Deutschland und Polen verlagert werden, wo die Fertigung günstiger ist, heißt es in dem Bericht. Der Konzern wollte auf Nachfrage vorerst keine Stellung dazu beziehen. Vorstand und Gesamtbetriebsrat befänden sich am Anfang von Gesprächen über die Transformation von MAN insgesamt, hieß es aus Deutschland. Bis zu den Werksferien im Sommer hoffe man, eine Einigung zu erzielen. Zum Standort Steyr könne er nichts Näheres sagen. Auch die Unternehmenssprecherin am Standort Steyr durfte den Medien keinerlei Auskunft erteilen.

 

„Gerücht, das nicht richtig ist“

Allerdings meldete sich am Donnerstagmittag schließlich der örtliche Betriebsratsvorsitzende, Erich Schwarz, medial zu Wort, wohl um die Situation vor Ort zu entspannen. Er bezeichnete die kolportierte Schließung des Werkes in Steyr schlicht als „Gerücht, das nicht richtig ist“. Es gebe Standort- und Beschäftigungssicherungsverträge bis zum 31. Dezember 2030, die aufrecht blieben, „vom Aufsichtsrat genehmigt und vom Vorstand unterzeichnet“ seien. Sparmaßnahmen aufgrund des Technologiewandels würden jedoch auf alle Fälle kommen.

Der Personalabbau solle allerdings vor allem den indirekten, administrativen Bereich betreffen. „In welcher Größenordnung das in Steyr sein wird, kann ich nicht sagen“, so der Arbeitnehmervertreter. Rund 750 von 2300 Mitarbeitern sind in den genannten Bereichen in Steyr beschäftigt. Er sei in die Gespräche mit dem Vorstand voll involviert, kooptiert mit dem Gesamtbetriebsrat, sagte Schwarz.

Der Vorstandsvorsitzende von MAN Truck & Bus, Joachim Drees, hatte Anfang der Woche von einem „signifikanten Stellenabbau“ gesprochen, um das Unternehmen in die Zukunft führen zu können. Konkrete Zahlen nannte er damals noch nicht.

Zwar habe MAN in den vergangenen Jahren bereits „kontinuierlich an der Steigerung seiner Profitabilität gearbeitet und seine Kosten deutlich gesenkt“, sagte Dees. Das allein reiche aber nicht, um MAN deutlich profitabler zu machen. „Wir wollen einzelne Bereiche gezielt stärken, andere Aktivitäten verringern oder ganz einstellen.“ Aus Sicht des Vorstandsvorsitzenden leide der Konzern an einem aufgeblähten Verwaltungsapparat, der nun beschnitten werden solle, berichtete das „Handelsblatt“.

 

Warten auf das Konzept

Mit der Corona-Krise hat die MAN-Misere nur sehr bedingt zu tun. Der Münchner Lkw-Hersteller liefert schon seit Jahren schlechtere Renditen ab als die schwedische Schwestergesellschaft Scania. Eigentlich müsste der Konzern den Personalabbau über Fluktuation und Abfindungen stemmen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nämlich bis ins Jahr 2030 ausgeschlossen. Ob es in diesem Punkt Änderungen geben wird, werden die Verhandlungen zeigen. Dort solle nämlich ein Konzept erarbeitet werden, um MAN nachhaltig profitabel aufzustellen, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem „Handelsblatt“.

Für die Belegschaft in Steyr heißt es abwarten und hoffen, dass die Standortgarantie weiterhin Bestand hat. (hec/ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2020)