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Geologie

Neigung der Erdachse beendete jüngste Eiszeiten

Je schiefer sie war, umso wärmer wurde es.

Obliquität – so nennt sich im Fachjargon die Neigung der Erdachse gegenüber jener der Sonne. Sie ändert sich langsam, aber ständig und war in den vergangenen Millionen Jahren stets dann besonders stark, wenn Kaltperioden endeten. Das berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal Science (12. 3.). Hohe Obliquität sei demnach ausschlaggebend für den Beginn von Warmzeiten.

 

Klimageschichte im Tropfstein

Derzeit vollführt die Erde etwa alle 100.000 Jahre einen Wechsel von Kalt- zu Warmzeiten. Daran sind periodisch auftretende Änderungen der Erdbahn-Eigenschaften beteiligt, einerseits die erwähnte Obliquität, außerdem die Abweichung der Erdumlaufbahn von einer Kreisbahn sowie die Schwingung der Erdachse.

Um herauszufinden, wie stark der jeweilige Einfluss der drei Phänomene auf die Klimawechsel der Erdgeschichte war, haben die Wissenschaftler Tropfsteine der Corchia-Höhle in den Apuanischen Alpen untersucht, die zwischen 810.000 und 970.000 Jahre alt sind. In diesem Zeitraum ereigneten sich zwei Übergänge von einer Kalt- in eine Warmzeit.

Durch Uran-Blei-Datierung und Analyse der Sauerstoff-Isotope der einzelnen Tropfsteinlagen konnten die Forscher das jeweils herrschende Klima mit hoher Präzision datieren und mit den Erdbahn-Eigenschaften abgleichen. Das Ergebnis: Die Wechsel von Kalt- zu Warmzeiten fanden in Zeiträumen statt, in denen eine hohe Obliquität vorherrschte, die Schwingung jedoch sehr unterschiedlich war.

„Damit dürfte die Änderung in der Schiefe der Erdachse ausschlaggebend gewesen sein“, meint Christoph Spötl von der Uni Innsbruck. Auch bei allen jüngeren Wechseln sei man zu dem Schluss gekommen, dass die Änderung der Neigung der Erdachse die Ursache war. (APA/däu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2020)