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Mein Samstag

Schauen Sie sich das an!

Jetzt, da das kulturelle, sportliche und soziale Leben praktisch brachliegt, könnte man die neu gewonnene Freizeit dafür nützen, mehr zu lesen.

Oder Netzuflixen (kann man das so sagen?). Das Kind und ich haben kürzlich die erste Serie geschaut, die uns beiden gleichermaßen gefallen hat. Das ist nicht selbstverständlich, denn meine Serien sind in der Regel ob der überdurchschnittlich hohen Kriminalitätsrate nicht kindertauglich und jene des Kindes waren mir meist zu knallbunt und kreischig. Jetzt aber haben wir uns bei „Anne with an E“ getroffen. Die Serie ist großartig gemacht und basiert auf dem Jugendbuch „Anne auf Green Gables“, das ich als Kind – wiederum mit meiner Mama – begeistert gelesen habe. Dabei geht es um ein Waisenmädchen, das auf die Prince Edward Island (wunderschön, Pilcher-Filmkulissen nichts dagegen) kommt. Es geht um große Themen (Freundschaft, Frauenrechte, Rassismus, Unterdrückung der Ureinwohner, insgesamt viele Emotionen, ach, so viele Emotionen). Die Serie hat uns beide so gefesselt, dass wir danach in ein Serienloch gefallen sind – und bis heute nach stimmigem Nachschub suchen.

Erfreulich ist jedenfalls, dass die Zeiten des Vorschulkinderfernsehens bei uns vorbei sind, das darauf ausgerichtet ist, den menschlichen Sehnerv kontinuierlich zu überreizen. Da waren etwa die Glücksbärchis in ihrer leuchtenden Regenbogenwelt (mein Hero war das ob der kollektiven Zuckerwatte-Fröhlichkeit wahrscheinlich an Dauermigräne laborierende grantige Brummbärchi). Oder „Mia and Me“, in der ein Königspaar, das exakt so aussieht, als wäre ihm die Flucht aus Klimts „Der Kuss“ gelungen, und unglücklicherweise in einer extrem rosa-lila strahlenden Feenwelt landet. Oder „My little Pony“, in der es sich Pferdchen mit sehr hysterischen Stimmen zur Aufgabe gemacht haben, die erwachsenen Gehörgänge nachhaltig zu quälen. Wobei die Oma der Ponys, die eine Apfelplantage betreibt, den Namen Granny Smith hat. Ein kleiner Schmäh der Serienmacher für die geplagten Mitschau-Erwachsenen. Findet man übrigens alles auf Netflix. In diesem Sinn: Einen schönen Serienmarathon!

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2020)