Wir wissen fast alles und spüren fast nichts. Mammutskelett, Museum of Natural History, Manhattan.
Spectrum

Das Mammut namens Angst

Wird alles aussichts- und hoffnungslos, neigt der Mensch dazu, sich tot zu stellen. Höchste Zeit, aus der Hilflosigkeit zu erwachen. Über Panik, Angst – und was uns davor schützt: Erfahrungen einer Schriftstellerin.

Früher konnte ich sogar mit Thomas Mann fliegen. Er hatte eine beruhigende Wirkung auf mich. Das war allerdings vor meiner Flugangst. Mit Flugangst hätte Thomas Mann mich wahnsinnig gemacht. Ebenso Goethe, Proust oder Peter Handke. Mit Flugangst sind nicht einmal Faulkner, Jane Bowles oder Bukowski erträglich. Sogar Thomas Bernhard zerbirst zu Staub bei Flugangst. Flugangst ist ausschließlich mit starken Sedativa zu bekämpfen. Bei mir ist sie irgendwann von selbst wieder verschwunden. Weiß der Teufel, warum. Heute fliege ich zwar auch nicht gerade gerne, aber – wenn es denn sein muss – doch. Sogar mit Peter Handke.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Angstzuständen und Panikzuständen. Die sogenannte Flugangst ist respektive war – zumindest bei mir – reiner Panikzustand. Ich konnte dabei weder sprechen noch mich bewegen, weder essen noch trinken noch auf die Toilette gehen. Also: Der Körper weigerte sich, etwas anzunehmen oder herzugeben. Geistig und körperlich. Panikzustände sucht man sich nicht aus, sie überwältigen einen. Obwohl in der Psychologie Angst- und Panikzustände oft gleichgesetzt werden, besteht für mich als ehemalige Flugpanikerin doch ein riesiger Unterschied. Angst habe ich immer noch, aber keine Panik.