Nicht selten ist der Akt des Enthüllens aufregender als das Enthüllte.
Spectrum

Transparenz über alles? Wie viel Geheimnis sein muss

Über unsere Lust an der Enthüllung, Aufdeckungsjournalismus, Untersuchungsausschüsse – und warum eine in allem und jedem offenbare Welt nicht wünschenswert ist.

Transparenz ist im vergangenen Jahrzehnt zu einem positiven Leitwort avanciert, es findet sich mittlerweile in Programmen von Parteien und Regierungen, in den Selbstaussagen von Aufdeckern im Journalismus und in den sozialen Medien im digitalen Bereich. Auch die Konjunktur von Ausschüssen gehört in diesen Zusammenhang. Menschen wie Julian Assange und Edward Snowden avancierten in den vergangenen Jahren zu Helden der postmodernen Welt, die für ihre Enthüllungen Zuspruch und unzählige Preise erhielten. Für die einen sind sie Verräter, für die anderen David im Kampf gegen einen übermächtigen Goliath. Das Böse, das sind hier vor allem die USA und ihre Geheimdienste, die heimlich Informationskanäle anzapfen, Politiker anderer Länder ausspionieren.