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Lange Schlangen, leere Nudelregale

Wartende Kunden vor einer Hofer-Filiale in Wien. Die Nachfrage nach Toilettenpapier, Nudeln und Mehl ist vielfach besonders groß.
Wartende Kunden vor einer Hofer-Filiale in Wien. Die Nachfrage nach Toilettenpapier, Nudeln und Mehl ist vielfach besonders groß.(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
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In den Supermärkten herrscht angesichts der bevorstehenden Sperre Hochbetrieb. Kunden hamstern Toilettenpapier, Handelsketten rufen zur Besonnenheit auf.

Wien. Wer sich vor der Coronasperre noch mit Toilettenpapier eindecken wollte, der stand am Freitag zu Mittag oftmals vor leeren Regalen oder leeren Paletten. Und so packten die Kunden eben die noch vorhandene Küchenrolle in den Einkaufswagen. Oder Taschentücher. Denn in einigen Supermärkten und Drogeriemarktfilialen in Wien waren auch diese Artikel gestern aus – oder zumindest so gut wie aus. „Es schaut so aus, als hätten sich heute alle Leute freigenommen, um noch einkaufen zu gehen“, sagte eine Kundin vor dem leeren Regal.

Ähnliches galt in einer Hofer-Filiale in Wien Ottakring für Zitronen und Karotten, für Nudeln und Sugo, für Tomatendosen, für Toastbrot und Mehl, von dem unter leeren Kartons nur noch einzelne Packungen zu finden waren. Und nicht nur dort: Allenthalben berichteten Menschen über Hamstertendenzen bei ähnlichen Produkten und über lange Schlangen vor den Kassen. Vielfach waren die Parkplätze vor Supermärkten im ganzen Land schon frühmorgens voll, mitunter wurden Kunden nur noch blockweise abgefertigt, und die Einkaufswagen in manchen Geschäften waren derart nachgefragt, dass manche Erwachsene sich irgendwann ein Kindereinkaufswägelchen schnappten.

Von der Apokalypse war man noch weit entfernt – aber gänzlich kalt ließen die für die kommende Woche angekündigten Sperren wegen Corona wohl die wenigsten, hier und da kam es auch zu Reibereien – wie in der Joseph-Filiale in Döbling, wo Beobachter von Streitigkeiten um Weckerlkäufe berichteten. Mitten hinein platzten Falschmeldungen über Supermarktschließungen, denen man etwa bei Spar vehement widersprach: „Wir werden selbstverständlich geöffnet halten, und das auch nächste Woche. Es ist auch genügend Ware vorhanden, auch für die Zukunft.“

 

„Es ist alles reichlich vorhanden“

Bei der Supermarktkette – bei der man, wie auch bei allen anderen, in diesen Tagen eine hohe Nachfrage und teilweise lange Schlangen an den Kassen registrierte – bat man daher bei aller Verunsicherung auch um Besonnenheit. „Wir bitten dringend, die Bevölkerung aufzurufen, Ruhe zu bewahren und besonnen einkaufen zu gehen“, hieß es zur „Presse“. Man liefere Waren so schnell wie möglich aus den Warenlagern nach. „Es ist alles reichlich vorhanden und auf Lager.“

„Es gibt genug Lebensmittel“, heißt es auch von Lidl Österreich. Man habe sich seit Wochen mit einer Taskforce auf die Situation eingestellt. Und man könne eine stabile Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung gewährleisten – wenngleich wohl nicht immer alle Produkte verfügbar sein würden. Bei Hofer heißt es: Man bemühe sich, die Versorgung sicherzustellen. Den einen oder anderen Engpass könnte es aber wohl geben: Man könne nicht ausschließen, „dass vereinzelte Produkte aktuell nicht im gewohnten Umfang verfügbar sind“.

Beim Rewe-Konzern heißt es zur „Presse“, man bekomme in den Supermärkten – unter anderem sind das Billa und Merkur – aus den gefüllten Zentrallagern ausreichend Produkte nachgeliefert, die Mitarbeiter in den Lagern seien rund um die Uhr im Einsatz. „Sollten Regale in einigen Bereichen leer sein, so liegt das nicht daran, dass keine Produkte mehr verfügbar sind, sondern daran, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Märkten durch den hohen Kundenandrang nicht in jedem einzelnen Fall rasch genug nachschlichten können.“

 

Lebensmittelhandel bleibt geöffnet

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) versicherte, dass der Lebensmittelhandel trotz der Einschränkungen bei vielen Geschäften geöffnet bleibt (siehe Seite 15). Wie Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) im „Presse“-Interview sagt, wird die Lebensmittelproduktion hochgefahren (siehe Seite 15), um die Versorgung zu sichern. Sie geht aber davon aus, dass das Hamstern abebben wird, wenn jeder den Grundbedarf für ein paar Tage gedeckt hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.03.2020)