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Odyssee eines gefallenen Weltstars

Bei der Einreise nach Paraguay festgenommen: Ronaldinho und sein Bruder (r.).
Bei der Einreise nach Paraguay festgenommen: Ronaldinho und sein Bruder (r.).APA/AFP/NORBERTO DUARTE
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Als Straßenfußballer hat Ronaldinho die Welt erobert, nun sitzt der einstige Publikumsliebling in Paraguay im Gefängnis. Abseits des Platzes schoss der Ballzauberer ein Eigentor nach dem anderen, positive Schlagzeilen machte zuletzt nur sein Sohn.

Um den besonderen Status, den Ronaldinho in der Fußballwelt genossen hat, anschaulich zu machen, sei an folgende Szene erinnert: El Clásico im November 2005 in Madrid, der damals 25-jährige Barcelona-Star hatte Real gerade mit zwei unwiderstehlichen Tempo-Dribblings vom Platz geschossen. Casillas, Zidane und Beckham starrten nach Ronaldinhos Sololauf zum 3:0 ungläubig ins Leere. Es folgte ein Fußball-Moment für die Ewigkeit. Das Santiago Bernabéu erhob sich, mit Standing Ovations huldigten die Real-Fans einem Spieler des Erzrivalen aus Barcelona. Eine Woche später wird der Brasilianer dann zum zweiten Mal zum Weltfußballer des Jahres gekürt.

Nun, 15 Jahre später, im März 2020, sitzt Ronaldo de Assis Moreira, so Ronaldinhos bürgerlicher Name, mit seinem Bruder in einer Gefängniszelle in Paraguays Hauptstadt Asunción. Beide sind mit gefälschten paraguayischen Pässen eingereist. Warum, blieb bisher unklar. Jedenfalls wäre der Grenzübertritt mit ihren brasilianischen Pässen problemlos möglich gewesen. Offiziell wollte Ronaldinho in Paraguay Werbung für sein neues Buch machen und ein Casino eröffnen.
Die Untersuchungshaft ist nur das jüngste Kapitel in der Odyssee des Weltmeisters (2002) und Champions-League-Siegers (2006). Als Straßenfußballer aus dem südbrasilianischen Porto Alegre hatte Ronaldinho die Welt erobert, seine Edeltechnik gepaart mit unerschöpflichem Spielwitz machten ihn zum Superstar, die Lockenpracht, das Grinsen und die Hang-Loose-Gesten bescherten ihm Werbemillionen. Ab wann aber ging es bergab mit der Karriere des Publikumslieblings?