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Auch im Home-Office sollte man eine Hose tragen

Beim Arbeiten daheim sollte man sich nicht gehen lassen.
Beim Arbeiten daheim sollte man sich nicht gehen lassen.Erich Kocina
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Was ist schlimmer: Mit Jogginghose bei einer Videokonferenz sitzen oder ganz ohne?

Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Das hat Karl Lagerfeld gesagt. Nur wusste Karl Lagerfeld damals halt auch nichts von Corona und der Aufforderung, alle Arbeiten im Home-Office zu erledigen. Home-Office, das könnte bei der heurigen Wahl zum Wort des Jahres ganz vorn mitmischen. Vorausgesetzt, dass nicht ohnehin Corona überlegen vorn liegt.

Wäre dann übrigens interessant, dass Corona auf Ibiza folgt. So wirklich deutsch sind die ja beide nicht – Ibiza hieß bei den Phöniziern Ibes bzw. Ebusim, möglicherweise benannt nach dem phönizischen Gott Bes. Corona wiederum leitet sich vom lateinischen Wort für Krone oder auch Heiligenschein ab. Im Österreichischen Wörterbuch finden Sie diesen Begriff allerdings unter Korona, aber das ist jetzt auch egal. Denn eigentlich waren wir beim Home-Office, zu dem interessanterweise niemand Heimarbeit sagt. Wieder so ein Begriff aus dem Englischen, für den es kein sinnvolles deutsches Äquivalent gibt. Heimbüro, na ja. Und Telearbeit klingt halt ein bisschen nach frühen 80ern, als man gerade den Teletext für sich entdeckte und Computerkonsolen noch Telespiele hießen.

In den 80ern waren ja auch Jogginghosen noch en vogue, vielleicht waren sie es zwischendurch ja auch einmal oder sind es heute wieder, aber wenn Karl Lagerfeld das mit dem Kontrollverlust gesagt hat, wird es schon seine Richtigkeit haben. Übrigens fühle ich mich im Home-Office, selbst wenn es keine Videokonferenzen gibt, nicht wohl, wenn ich keine Hose anhabe. Das hat etwas mit Würde zu tun, aber auch dem Gefühl, die Kontrolle nicht zu verlieren. Das Lagerfeldsche Jogginghosenurteil löst hier also ein Dilemma aus. Wie ich das löse? Nun, selbst wenn Sie einen Videoanruf im Home-Office machen, bleibt die Kamera auf mein Gesicht gerichtet. Sie werden es also nie erfahren . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com