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Bundesliga

Rapid-Geschäftsführer: „Die größte Krise des österreichischen Fußballs“

Christoph Peschek bezifferte den möglichen Schaden für Rapid bis Ende Juni auf bis zu sechs Millionen Euro.
Christoph Peschek bezifferte den möglichen Schaden für Rapid bis Ende Juni auf bis zu sechs Millionen Euro.GEPA pictures
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Während Spiel- und Trainingsbetrieb eingestellt sind, bereiten sich Rapid und Co. auf die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus vor. Millionenbeträge könnten verloren gehen, die Klubs warnen vor dramatischen Situationen.

Wien. „Rapid wurde gegründet, um Fußball zu spielen – wenn dies nicht der Fall ist, fehlt uns unsere Grundlage“, sagt Christoph Peschek, der Geschäftsführer der Hütteldorfer. Die Klubs der heimischen Bundesliga kämpfen dieser Tage mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Den möglichen Schaden für Rapid bis Ende Juni bezifferte Peschek auf bis zu sechs Millionen Euro.

Bis Ende März ist der Ligabetrieb im österreichischen Profifußball vorerst eingestellt. Seit Sonntagnachmittag dürfen auch keine Trainings mehr abgehalten werden. Die Klubkonferenzen der beiden höchsten Ligen wurden abgesagt, unter anderem um die Richtungsentscheidung des Europäischen Verbandes (Uefa) abzuwarten. Die Uefa berät am Dienstag über das weitere Vorgehen und eine Verschiebung der EM (12. Juni bis 12. Juli). Am Mittwochnachmittag sollen die Vereine per Videokonferenz über mögliche Szenarien informiert werden.

 

Gedankenspiele

Peschek zufolge beschäftige sich Rapid mit drei Szenarien für die laufende Saison. Eines sei die „Hoffnung auf eine Besserung der Situation und im Fall der Absage der EM, die verbleibenden Spiele zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen“. Weitere Möglichkeiten seien ein Abbruch der Meisterschaft sowie Geisterspiele auf Basis möglicher weiterer behördlicher Anordnungen.

Gleichzeitig appellierte der Rapid-Geschäftsführer an die Politik, die Vereine zu unterstützen. „Wir befinden uns in der größten Krise des österreichischen Fußballs seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Ohne Unterstützung könne dies „zu einer dramatischen Situation aller Klubs“ führen.

Ähnlich sah das Markus Kraetschmer, der Vorstandsvorsitzende der Wiener Austria. „Natürlich müssen wir uns auch über die wirtschaftlichen Auswirkungen Gedanken machen, die sicher sehr hart sein werden. Jedoch warten wir ab, wie die Entscheidungen des ÖFB und der Bundesliga dahingehend ausfallen werden.“ Erst dann könne man seriös kommunizieren und Aussagen treffen.

Sportlich ist in der Bundesliga der Grunddurchgang nach 22 Runden abgeschlossen. Die je zehn entscheidenden Runden in Meister- und Qualifikationsgruppe sind noch ausständig. Der Lask würde mit drei Punkten Vorsprung auf Salzburg als Tabellenführer ins Meisterrennen gehen. Rapid liegt auf Rang drei. Die Austria hat die Meisterrunde verpasst und müsste sich in der Qualifikationsgruppe mit Mattersburg, Altach, Tirol, Admira und St. Pölten abgeben.

 

Europacup-Träume

TSV Hartberg hatte es auf Kosten der Austria überraschend in die Meisterrunde der Top sechs geschafft. Den Kampf um die Europacupplätze hat man in der Oststeiermark noch nicht abgeschrieben. „Wenn die gesundheitlichen Probleme gelöst sind, kann man auch ab Mitte Mai bis Ende Juni die Meisterschaft zu Ende spielen“, meinte Obmann und Sportchef Erich Korherr. Dazu müsste allerdings die EM abgesagt werden. Danach würden zahlreiche englische Runden anstehen. „Aber das würden wir schaffen.“ (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2020)