Schnellauswahl
Luftfahrt

AUA stellt ab Donnerstag sämtliche Flüge ein

Stopp soll vorerst bis Ende März gelten. Flughafen erwartet, dass Linienverkehr komplett zum Erliegen kommt.

Wien. Die Luftfahrtbranche leidet zurzeit wohl am stärksten unter der Krise durch Corona und den Maßnahmen dagegen. So wurde in den vergangenen Tagen der Flugbetrieb weltweit bereits sukzessive reduziert. Bei der AUA kommt es ab diesem Donnerstag zu einem endgültigen Stopp. So erklärte die Lufthansa-Tochter am Montagnachmittag, dass sämtliche regulären Flüge aus dem Programm genommen würden. „Wir sind uns aber unserer Verantwortung bewusst und werden in Zusammenarbeit mit der Regierung versuchen, so viele Österreicherinnen und Österreicher wie möglich nach Hause zu bringen“, so AUA-Chef Alexis von Hoensbroech.

So sollen für den Fall notwendiger Evakuierungs- oder sonstiger Hilfsflüge je ein Langstrecken- und ein Mittelstreckenflugzeug weiter bereitgehalten werden.

 

Tickets ruhend gestellt

Die Tickets der betroffenen Kunden werden je nach Abflugdatum und Möglichkeit der Durchführung entweder auf Lufthansa-Flüge umgebucht oder bis 1. Juni ruhend gestellt. Vorerst ist die Maßnahme bis 28. März beschränkt. Allerdings ist es fraglich, inwiefern sich die Situation bis dahin beruhigt hat. Für die rund 7000 AUA-Mitarbeiter wurde bereits Kurzarbeit beantragt. In welchem Ausmaß diese ausfallen soll, wird derzeit mit dem Betriebsrat verhandelt.

Auch bei der zur Ryanair gehörenden Laudamotion wird der Flugbetrieb vorübergehend eingestellt – allerdings bereits ab Dienstag. Die Maßnahme soll bis 8. April dauern. Die Kunden können hier ebenfalls umbuchen oder ihr Geld zurückfordern. Ryanair selbst will 20 Prozent der Flüge noch durchführen. Zuvor hat Air France-KLM bereits mitgeteilt, die Zahl der Flüge um 90 Prozent zu senken, British Airways wollen den Flugplan vorübergehend um 75 Prozent zusammenstreichen.

Grund für die zunehmend verschärften Reduktionen in den Flugplänen ist nicht nur der Nachfragerückgang, sondern auch zunehmend Reisesperren gegenüber anderen Ländern. So dürfen beispielsweise Flugzeuge aus Italien, Spanien oder Frankreich nicht mehr in Österreich landen. Gleichzeitig haben Länder wie die USA oder Israel Sperren gegenüber Flugzeugen aus europäischen Ländern, darunter auch Österreich, eingeführt.

Folgen hat dies nicht nur für die heimischen Fluglinien. Auch der Flughafen Wien leidet massiv unter dem Rückgang des Luftverkehrs. „Es gibt jetzt bereits eine ganze Reihe von Landeverboten, und es folgen ständig neue. Wir gehen daher davon aus, dass der Linienflugverkehr zur Gänze zum Erliegen kommen wird“, heißt es beim Flughafen.

 

Flughafen nicht gesperrt

Das heiße aber nicht, dass der Flughafen gesperrt wird. „Der Betrieb wird weiterhin aufrechterhalten. So wird es ja auch weiter Frachtflüge geben, um beispielsweise die Versorgung mit Medikamenten zu gewährleisten.“ Allerdings hat die Reduktion des Flugbetriebs auch zur Folge, dass der Flughafen für seine 6800 Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden musste. In welchem Ausmaß die Arbeitszeitreduktion erfolgen wird und für welche Dauer ist aber noch nicht klar.

Massive Auswirkungen hat diese Reduktion des Luftverkehrs auch auf die internationale Tourismusindustrie, die nun ebenfalls mit radikalen Einschnitten darauf reagiert. So kündigte der deutsche Reisekonzern TUI am Montag an, bis auf Weiteres sämtliche Pauschalreisen, Kreuzfahrten und den Hotelbetrieb abzusagen. Bis 27. März werde das gesamte Reiseprogramm ausgesetzt. Man arbeite nun mit Hochdruck daran, alle im Ausland befindlichen Urlauber wieder nach Hause zu bringen.

Wer jedoch für die Hochsaison in den Sommermonaten gebucht hat, muss sich vorerst gedulden. Denn derzeit sei nicht absehbar, wann sich die Lage beruhige und inwiefern im Sommer wieder Normalbetrieb herrsche. Daher gebe es derzeit auch nicht die Möglichkeit, kostenlos zu stornieren, heißt es bei TUI.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.03.2020)