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Luftfahrt

Flugbetrieb am Flughafen Wien kommt zum Erliegen

APA/HELMUT FOHRINGER
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Der Linienbetrieb am Flughafen Wien kommt zum Erliegen. Nur der  Notbetrieb für Frachtflüge und Rückholaktionen wird aufrecht erhalten.

Nach der Ankündigung von AUA und Laudamotion wegen der Coronavirus-Pandemie vorerst keine Linienflüge mehr durchzuführen, wird der Regulärbetrieb des Flughafens Wien weiter heruntergefahren. Der Airport selbst geht davon aus, dass der Linienflugbetrieb weitgehend zum Erliegen kommt, wie Flughafen-Sprecher Peter Kleeman am Dienstagvormittag im ORF-Radio Ö3 sagte.

Gänzlich geschlossen wird der Flughafen aber nicht. Für Frachtflüge und Rückholaktionen des Außenministeriums werde ein Notbetrieb aufrechterhalten, Airline könnten auch ihre Linienflüge weiter durchführen, betonte der Sprecher gegenüber der APA.

Im Radio sagte Kleemann: "Derzeit verzeichnen wir starke Passagierrückgänge von minus 70 bis minus 80 Prozent bei weiter stark fallender Tendenz und wir gehen davon aus, dass der Linienflugbetrieb am Flughafen Wien weitgehend zum Erliegen kommen wird." Frachtlüge wie auch Rückholcharter der AUA seien weiter möglich. "Der Flughafen steht weiter zur Verfügung. Die Lieferung von dringend benötigten Gütern, von Medikamenten, von Waren, um die Versorgungsstabilität des Landes aufrecht zu erhalten, wird weiter möglich sein", so Kleemann.

In einer Aussendung erklärte man, der Flughafen Wien sei auf dem Weg in den "Notbetrieb". Nichtsdestotrotz werde der Betrieb als Teil der kritischen Infrastruktur "im erforderlichen Ausmaß aufrechterhalten". Auch das General Aviation Center bleibe für Flüge mit Privatjets in Betrieb.

Der City Airport Train (CAT), der zwischen der Wiener Innenstadt zum Flughafen fährt, teilte am Dienstagnachmittag mit, dass der Betrieb vorläufig ausgesetzt werde.

Aktuell gelten Landeverbote für Flüge aus China, Frankreich, Iran, Italien, Schweiz, Spanien, Südkorea und ab Mittwoch auch für Großbritannien, die Niederlande, Russland und die Ukraine. Flüge aus diesen Ländern dürfen nicht mehr in Wien landen. Die japanische Airline ANA erklärte indes, ihre Flüge zwischen Tokio und Wien bis zum 24. April aufrechtzuerhalten. Auch Deutschland will die ANA weiteranfliegen.

Minimalbetrieb auch auf anderen Flughäfen

Das Coronavirus hat auch gravierende Auswirkungen auf den Betrieb an Österreichs Flughäfen. Die Airports Salzburg und Klagenfurt werden auf einen "Minimalbetrieb" heruntergefahren, auch an den anderen Flughäfen gibt es Einschränkungen im Flugbetrieb. Das Thema Kurzarbeit wird an den meisten Standorten schon jetzt diskutiert.

Beim Flughafen Graz werden bis Ende April voraussichtlich mehr als 1100 Flüge gestrichen. Bis Dienstagmittag waren es bereits um die 160 ausgefallene Flüge. "Zur Sicherheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. damit sie ihre Kinder betreuen können, sind viele daheim und machen teilweise auch Telework", hieß es auf APA-Nachfrage.

Kurzarbeit werde auf jeden Fall ein Thema sein: "Wir arbeiten derzeit daran, wie wir sie am besten für das Unternehmen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umsetzen können - da es viele völlig verschiedene Bereiche auf einem Flughafen gibt, muss jeder für sich genau angeschaut und bewertet werden." Am Dienstag befand sich der Flughafen noch im Vollbetrieb, da vereinzelt noch Flüge eintrafen. Kleinere Geschäfte haben seit Montag geschlossen, ein großer Lebensmittelmarkt hat aber weiterhin geöffnet.

Dass viele Airlines mittlerweile den Flugbetrieb eingeschränkt haben, ist auch in Salzburg spürbar. Der Airport Salzburg wird "auf einen Minimalbetrieb heruntergefahren, der Airport bleibt geöffnet", erklärte am Dienstag Flughafensprecher Alexander Klaus. Resturlaubstage aus 2019 und Zeitguthaben von Mitarbeitern werden abgebaut. Von den 370 Stamm-Mitarbeitern werden fast 80 von zu Hause arbeiten.

Die Starts und Landungen haben sich heute bereits reduziert. Es gab davon nur acht, an einem durchschnittlichen Tag sind es laut Klaus 25 bis 27. Am Salzburger Flughafen werde nicht nur der Großteil der Belegschaft zu Hause bleiben und Urlaube abbauen, auch die Geschäfte am Salzburger Flughafen "schließen oder fahren auf Minimalbetrieb", erklärte Flughafengeschäftsführerin Bettina Ganghofer. "Wir haben quasi über Nacht fast 80 Heimarbeitsplätze kreiert, bauen Alturlaube und Zeitguthaben ab. Alle Bereiche prüfen und bewerten laufend weitere Maßnahmen und kommunizieren diese so transparent wie möglich an die Mitarbeiter, denn wir wollen und werden alle Arbeitsplätze erhalten."

Der Flughafen Klagenfurt schaltet angesichts des Coronavirus auf "Notbetrieb" und schränkt den Betrieb ein. Wie die Airportbetreiber am Dienstag in einer Aussendung mitteilten, reagiere man damit auf die Ankündigung der Austrian Airlines und Lauda, den Flugbetrieb einzustellen. Und man erwarte auch noch weitere Einschnitte bei den Fluglinien, die Klagenfurt anfliegen: "Die offizielle Information seitens Easyjet beziehungsweise Eurowings wird für die kommenden Tage erwartet", hieß es in der Aussendung.

Nun soll der Flughafen Klagenfurt "betriebsbereit" gehalten werden, um nach Ende der Krise möglichst schnell wieder den Betrieb aufnehmen zu können - dann werde man "jeden Mitarbeiter" wieder benötigen. Gemeinsam mit dem Betriebsrat habe man vereinbart, dass erst Überstunden und Resturlaub konsumiert werden und man danach auf das Kurzarbeits-Modell zurückgreifen wird.

Am Flughafen Linz heben derzeit nur noch ein oder zwei statt der üblichen vier täglichen Linienflüge nach Frankfurt ab. Die Düsseldorf-Verbindung wird nicht mehr bedient. Die wenigen Sondercharter entfallen. Die fünf ursprünglich geplanten Manchester-Flüge zum Spiel des LASK etwa wurden ebenso wie das Match gecancelt. Die Urlaubscharter seien ohnehin noch nicht angelaufen, so Flughafensprecher Ingo Hagedorn, sie würden normalerweise erst Ende Mai/Anfang Juni beginnen. Was damit geschieht, ist offen, "wir fahren derzeit auf Sicht".

Uneingeschränkt läuft hingegen der Frachtflugverkehr in Linz, hier rechnet man eventuell sogar mit einem Steigen der Nachfrage. Was mit den rund 160 Mitarbeitern des Flughafens geschieht, ist noch offen. "Das Thema Kurzarbeit beschäftigt uns", sagte Hagedorn, entschieden sei aber noch nichts. Soweit wie möglich sei das Personal im Homeoffice, Zeitausgleich oder Urlaub. Am Linzer Flughafen arbeiten aber neben den rund 160 beim Airport Beschäftigten noch rund 840 Leute bei Partnerunternehmen - vom Caterer über die Betankungsfirma bis hin zu den Sicherheitskontrollen. Auch sie sind von der Situation betroffen.

Der Betrieb am Innsbrucker Flughafen sei derzeit noch normal im Gange - natürlich bis auf die Tatsache, dass der Flugverkehr massiv abgenommen habe, sagte ein Sprecher gegenüber der APA. Am Dienstag sollen gar nur mehr drei Flüge stattfinden. Die Möglichkeit, dass Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden, wollte man vorerst nicht kommentieren: "Wir diskutieren intern verschiedenste Varianten", die voraussichtlich in den nächsten Tagen kommuniziert werden sollen, hieß es.