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Gastbeitrag

#CorCooning – die Sehnsucht der Menschen ist groß

(c) Peter Kufner
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Cocooning war gestern, jetzt kommt staatlich verordnetes Sichzurückziehen, das CorCooning: Was da jetzt auf uns zurollt, können wir aktuell weder zahlenmäßig noch emotional erfassen.

Was für ein prächtiger Frühlingstag. Gelb triumphierende Forsythien vor knallblauem Himmel. Ich habe uns einen kleinen Tisch aufgestellt und serviere meiner Frau Lasagne mit Salat. Sie Köchin, ich Butler. Rund um uns Veilchen, Gänseblümchen, Himmelschlüssel. Drinnen arbeiten die Kinder an ihren via E-Mail zugestellten Hausübungen. Schon etliche Jahre wohnen wir hier, noch nie hatten wir an einem Märzmontag ein Mittagessen zu zweit im Freien.

„Ein Idyll“, sage ich halblaut. Und wir beide wissen, dass es trügerisch ist. Heute ist nämlich der erste „CorCooning“-Tag im Vollausbau. Diesen Begriff gebaren meine Frau und ich vor fünf Tagen, als greifbar wurde, dass eine familiäre Kasernierung auf uns zukommt. Cocooning war gestern, ein Nischenprogramm: „das vollständige Sichzurückziehen in die Privatsphäre; das Sichaufhalten zu Hause als Freizeitgestaltung“. Was nun neu auf Wikipedia aufzunehmen ist: „Cor coo:ning: staatlich verordnetes Sichzurückziehen; das massenhafte Sichaufhalten zu Hause als Alltagsgestaltung aufgrund Corona-Pandemie“.

Vieles geht mir durch den Kopf, manches liegt mir auf der Zunge. Doch meine Frau hat sich verbeten, zum Essen aktuelle Krisenmeldungen aufgetischt zu bekommen. Als Unternehmer habe ich die letzten Tage mit Absagen und Verschiebungen zugebracht: Es legt die nächsten 100 Tage flach, dann kommt der Hochsommer mit einer Auftragsflaute. Im Geiste durchwandere ich meine Kalkulationen: „Geht sich das gut aus?“

Diese Frage stellen sich derzeit Hunderttausende UnternehmerInnen, Freiberufler und Ein-Personen-Unternehmen in Österreich, Millionen in Europa, zig Millionen auf dem gesamten Planeten. Und weltweit wohl Hunderte Millionen ArbeitnehmerInnen. Nein, es wird sich für viele nicht gut ausgehen.

Die Rezession wird schnell kommen und tief greifen. Was sich derzeit in der Realwirtschaft und an den Börsen abspielt, ist jenseits von dramatisch. Viele österreichische und internationale Leitbetriebe haben sich innerhalb eines Monats in ihrer Kapitalisierung fast halbiert. Anders als in der 2008er-Krise sind von Beginn an aber auch die Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe voll betroffen. Die unendliche Flut an Stornos und Absagen überzieht fast alle Branchen.

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