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Coronavirus

Forderungen nach politischen Konsequenzen wegen Ischgl-"Skandals"

AUT 2015 03 03 POLITIK PORTRAIT exklusiv INTERVIEW DR BERNHARD TILG �VP LANDESRAT FUER GESUND
Bernhard Tilg (Archivbild)(c) imago/Roland M�hlanger (imago stock&people)
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FPÖ-Chef Hofer mutmaßt, dass Landesrat Tilg nun als „Bauernopfer“ präsentiert werden soll. Die Neos orten „Messen mit zweierlei Maß“ in Hinblick auf den ersten Tiroler Fall - in einem Innsbrucker Hotel - und dem Vorgehen in der Skiregion.

Der Coronavirus-Herd Ischgl sorgt zunehmend für vehemente politische Debatten und den Ruf nach Konsequenzen. Die FPÖ nahm in Gestalt von Bundesparteiobmann Norbert Hofer Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) in die Pflicht und verlangte eine Stellungnahme des Ministers ob des "Skandals". Tirols SPÖ-Chef, Georg Dornauer, forderte indes den Rücktritt von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP).

>> Stellungnahme des Landes Tirol zu den Vorwürfen

"Dieser Skandal schadet Österreich nachhaltig. Ich erwarte mir dazu endlich eine Stellungnahme von Gesundheitsminister Rudolf Anschober, der sich als verantwortliches Regierungsmitglied mit Sicherheit über alle Details informiert hat", erklärte Hofer in einer Aussendung. Das - "eher hilflos wirkende" - Interview von Tilg in der "ZiB 2" am Montagabend lege den Verdacht nahe, dass dieser nun der Öffentlichkeit als "Bauernopfer" präsentiert werden soll.

„Wir brauchen jetzt kein Scherbengericht“ 

Während Island und andere skandinavische Länder bereits in der ersten März-Woche festgestellt hätten, dass sich ihre Bürger allesamt beim Skifahren in der Region Ischgl angesteckt haben, seien die Behörden in Österreich nicht in Gang gekommen und hätten das "ansteckende Apres-Ski-Treiben" weiter geschehen lassen. "Mittlerweile ist bewiesen, dass es hunderte Corona-Fälle europaweit gibt, deren Epizentrum in Ischgl liegt. Die Zahlen steigen weiter an", so der FPÖ-Chef. "Wir brauchen jetzt kein Scherbengericht. Zuerst gilt es die Krise zu bewältigen, anschließend wird man sich aber sehr intensiv über diese Fehlentscheidungen unterhalten müssen", assistierte Tirols FPÖ-Obmann, Markus Abwerzger.

Dornauer will indes nicht so lange warten: Tilg sei mit der aktuellen Situation überfordert und mit seinen eigenen Fehlentscheidungen beschäftigt, so der Tiroler SPÖ-Vorsitzende. "Er muss mit sofortiger Wirkung abberufen werden", forderte Dornauer. Es brauche jetzt Experten im Gesundheitsressort. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) stehe in der Verantwortung, so schnell wie möglich Maßnahmen zu ergreifen. Zumal die Krise ihren Höhepunkt noch nicht erreicht habe, meinte Dornauer, der Fahrlässigkeit und Fehlleistungen ortete. Nachdem das Virus besiegt sei, werde die Tiroler SPÖ "mit allen parlamentarischen Mitteln" auf Bundes- und Landesebene für „volle Aufklärung“ in der Angelegenheit sorgen, so Dornauer. Außerdem werde geprüft, wann eine Sondersitzung des Tiroler Landtags zur Causa möglich und sinnvoll sei.

„Verunsicherung mit Auftritt vergrößert“ 

"Mitten in einer der schwersten Krisen der letzten Jahrzehnte ist es ein Gebot der Stunde zusammen zu halten und an einem Strang zu ziehen. Jetzt ist nicht die Zeit der Abrechnung und der Krisenanalyse", erklärte indes Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider. Und nahm dennoch Tilg in die Pflicht. Der Landesrat habe die Verunsicherung mit seinem TV-Auftritt vergrößert. "So sieht Krisenmanagement definitiv nicht aus. Die Menschen erwarten sich klare Worte und kein Herumeiern, Verschleiern und Vertuschen."

Auch die Neos kritisieren Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Tilg aufs Schärfste. "Es ist unerträglich, wie die verantwortlichen Tiroler Landespolitiker in der Causa Ischgl herumlavieren", kritisierte Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker in einer Aussendung. "Politiker mit Verantwortungsbewusstsein" würden Fehler zugeben und alles daran setzen, dass sie sich nie mehr wiederholen. Hier sei schließlich nicht nur die Gesundheit aller gefährdet, sondern auch der Wirtschaft massiver internationaler Imageschaden zugefügt worden. "Aber Platter und Tilg behaupten einfach stur weiter, alles richtig gemacht zu haben. Das ist in vielerlei Hinsicht verantwortungslos", so Loacker.

„Messen mit zweierlei Maß“ bei Hotels

Der pinke Nationalrastabgeordnete ortete Messen mit zweierlei Maß seitens der Verantwortlichen. Während das Hotel Europa in Innsbruck nach dem Corona-Fall richtigerweise sofort gesperrt worden sei, obwohl die betroffene Mitarbeiterin angeblich nur wenig direkten Kontakt mit Gästen gehabt hatte, habe man in Ischgl der Verbreitung des Virus "tagelang nur zugesehen". Und dies obwohl der erkrankte Barkeeper nachweislich engsten Kontakt zu sehr vielen Gästen hatte und sehr viele angesteckt habe.

(APA)