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Versäumnisse

Zu spät reagiert: Tirol nimmt zu den Vorwürfen Stellung

Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg steht in der Kritik.(c) imago images/dmuk-media (Ulrich Kettner via www.imago-ima)
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Kritik an zu späten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus weist das Land Tirol nach wie vor von sich. Die Stellungnahme im Wortlaut.

Hinsichtlich der Entwicklungen der vergangenen Tage bezüglich des Auftretens des Coronavirus in Ischgl wird vonseiten des Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg sowie der Landessanitätsdirektion folgend informiert:

Das Land Tirol weist die Kritik an zu späten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zurück. Es wurden jeweils sofort nach Vorliegen gesicherter Daten umfassende Erhebungen durchgeführt und umgehend restriktive Maßnahmen gesetzt.

  • Was Ischgl betrifft wurde am Sonntag, 7. März, bekannt, dass der Test eines Barkeepers im „Kitzloch“ – ein 36-jähriger Deutscher mit norwegischem Namen – positiv ausfiel. Vonseiten des Landes wurde die Öffentlichkeit umgehend nach Vorliegen der gesicherten Informationen darüber informiert, dass es eine Coronavirus-Erkrankung in Ischgl gibt. Die betroffene Person wurde umgehend isoliert. Auch alle MitarbeiterInnen wurden in Quarantäne genommen und das Lokal vorübergehend gesperrt. Im Zuge dessen wurden vonseiten der Behörde angeordnet, die gesamte Lokalität umfassend zu desinfizieren. Auch wurde angeordnet, dass der bestehende Personalbestand für den weiteren Betrieb nicht mehr zur Verfügung stehen darf. Im Rahmen der routinemäßigen behördlichen Abklärungen wurden mögliche weitere – nicht enge – Kontaktpersonen bereits angehalten, ihren Gesundheitszustand für die kommenden zwei Wochen genau zu beobachten. Im Zuge der weiteren behördlichen Abklärungen wurde daraufhin vonseiten der Behörde zudem bereits öffentlich dazu aufgerufen, dass sich Personen, die sich im Zeitraum von 15. Februar bis 7.  in der betroffenen Bar „Kitzloch“ befunden haben, an Gesundheitshotline 1450 wenden sollen.
     
  • Wichtiges Detail: Durch das umsichtige Handeln der Gesundheitsbehörden konnte die Infektion des Barkeepers festgestellt werden: Über das Netzwerk der europäischen EpidemiologieInnen  bzw. das österreichische Bundesministerium erreichten Tirol am 5. März erste Meldungen, dass 15 isländische Gäste in ihrer Heimat positiv auf das Coronavirus getestet wurden und diese sich auch in Ischgl aufhielten. Konkrete Namen oder Angaben waren zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Im Zuge des behördlichen Austausches wurden vonseiten Tirols umgehend die Namen der Personen sowie die dazugehörigen Daten der Beherbergungsbetriebe angefordert. In diesem Zusammenhang erhielten die Tiroler Behörden außerdem am 5. März Kenntnis, dass sich beim Rückflug am 29. Februar München-Reykjavik eine am Coronavirus erkrankte Person an Bord befand, die aus dem Skiurlaub in Italien heimreiste. Am 5. März berichteten zudem isländische Medien, dass es zu Coronavirus-Infizierungen nach einem Aufenthalt in Ischgl kam.
     
  • 24 Stunden später, also am 6. März, langten die von den Tiroler Gesundheitsbehörden angeforderten Daten mit 15 Namen der isländischen Gäste und Unterkunftsadressen in Ischgl ein. Daraufhin wurden die benannten Hotels sofort kontaktiert und dazu angehalten, bei Personen, die im Betrieb tätig sind und Symptome aufweisen, Abstriche durchführen zu lassen. Die Gesundheitsbehörden erweiterten darüber hinaus – als Vorsichtsmaßnahme – noch das Untersuchungsfeld: Es erging die Aufforderung an den dortigen niedergelassenen Arzt ebenfalls bei Personen mit typischer Symptomatik, welche aus Après-Ski-Lokalen kommen, einen Abstrich vorzunehmen. Im Zuge dieser Ermittlungen wurde der 36-jährige Deutsche mit norwegischem Namen (Barkeeper im „Kitzloch“) untersucht. Sein Testergebnis war positiv. Zu diesem Zeitpunkt hat es keinen einzigen Verdachtsfall in oder aus Ischgl gegeben.
     
  • Damit konnte durch das umsichtige, professionelle und schnellstmögliche Handeln vonseiten der Behörde der positiv getestete Barkeeper des „Kitzloch“ ausgehoben werden. Es wurden umgehend umfassende Maßnahmen eingeleitet.
     
  • Auf aktive Rückfrage vonseiten der Tiroler Gesundheitsbörde bei einer Ärztin in Island traf am 8. März die Bestätigung ein, dass sich die erkrankten isländischen Gäste auch im „Kitzloch“ aufhielten. Die Erhebungen zu weiteren Testungen haben ergeben, dass drei weitere positiv getestete Personen – von insgesamt 51 Gästen – sich ebenfalls in Ischgl aufhielten.
     
    Nach dem Vorliegen der verifizierten Informationen vonseiten der isländischen Epidemiologie wurde umgehend am Montag 9. März das Après-Ski-Lokal „Kitzloch“ behördlich gesperrt. Nur einen Tag später, am Dienstag den 10. März, wurden sämtliche Après-Ski-Lokale in Ischgl geschlossen.
     
  • Mit den bis dahin gesetzten Maßnahmen konnten vonseiten der Behörden möglichen Fortsetzen der Infektionskette bestmöglich eingedämmt werden.
    Am Donnerstag, 12. März wurde verkündet, dass das Skigebiet Ischgl vorzeitig geschlossen wird.
    Ebenfalls am 12. März wurde von der Behörde entschieden, dass im gesamten Land Tirol die Wintersaison vorzeitig mit Sonntag, 15. März, beendet wird. Damit konnte verhindert werden, dass im Zuge des Urlauberschichtwechsels 150.000 neue Gäste nach Tirol reisen.
    Seit Freitag, dem 13. März, wurde behördlich das gesamte Paznauntal und auch St. Anton zum Quarantäne-Sperrgebiet erklärt.
     
  • Zudem hat das Land Tirol per Verordnungen über die Bezirksverwaltungsbehörden mit 15. März eine Ausgangssperre im Sinne einer Verkehrsbeschränkung für alle Personen verfügt. Ohne triftigen Grund darf niemand mehr seine Wohnung verlassen. Diese Maßnahme gilt vorerst für eine Woche. Hinsichtlich der nur ungenauen übermittelten Informationen, dass viele skandinavische Gäste am Coronavirus erkrankten, kann mitgeteilt werden, dass seitens des Landes Tirol diesen Informationen umgehend nachgegangen wurde.