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Plattenkritik

Gundula Janowitz: So schimmert Gold musikalisch

Gundula Janowitz: The Gundula Janowitz Edition
Gundula Janowitz: The Gundula Janowitz Edition(c) Deutsche Grammophon
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Die Erstauflage der „Janowitz Edition“ war sofort vergriffen, nun ist die Kult-Box für Stimmfetischisten wieder da.

Gerade jetzt, wenn viele Musikfreunde vielleicht Lust verspüren, sich mangels Ausgehmöglichkeiten einmal aufs Zuhören zu konzentrieren und sich einer der schönsten Stimmen des internationalen Musiklebens des 20. Jahrhunderts zu widmen, bringt die Deutsche Grammophon die „Gundula Janowitz Edition“ wieder in den Handel.

14 CDs für Stimm-Fetischisten, die sich hier im wahrsten Sinne des Wortes im akustischen Glanz eines Soprantimbres sonnen dürfen, das in den Sechziger- und Siebzigerjahren zweifellos von einzigartiger Schönheit war. Silber, Gold haben den Rezensenten unzählige Male als Assoziation gedient beim Versuch, das Unbeschreibliche in Worte zu fassen.

Freilich: Die Janowitz hat es nie dabei belassen, einfach ihre unverwechselbare Stimme zu verströmen. Die CD-Sammlung lässt die künstlerische Entwicklung der Sängerin nachvollziehen, die von ihrem Mentor bald aus dem lyrischen ins dramatische Fach begleitet wurde. Die Studioaufnahmen dokumentieren Wagner-Ausflüge bis hin zur Sieglinde („Walküre“ unter Karajan) oder Elisa („Lohengrin“ unter Kubelik), die ihr weiterhin ermöglichten, auch im barocken und klassischen Repertoire auszuspielen.

Die Aufnahme-Reihung beginnt mit der hinreißenden Wiedergabe von Georg Philipp Telemanns „Ino“ (1970) und bringt Ausschnitte aus bedeutenden Chorwerken bis zu Orffs „Carmina burana“.

 

Am wohlsten bei Mozart, Strauss

Aus dem Bühnen-Repertoire hört man Arien und Szenen aus dem „Freischütz“, „Tannhäuser“, „Lohengrin“, aber auch Lortzing oder Johann Strauß. Vor allem aber immer wieder Richard Strauss und Mozart, wo sich die Stimme hörbar am allerwohlsten fühlte. Den Schlussgesang aus „Capriccio“ (unter Böhm) hat wohl keine Zweite so innig und voll der verhaltenen Leidenschaft zu gestalten gewusst. Und zwischen den beiden Wiedergaben der „Vier letzten Lieder“ – eine unter Bernard Haitink, die andere, geradezu sagenumwoben, unter Karajan – kann sich der Janowitz-Verehrer schwer entscheiden. Wobei die Karajan-Aufnahme auch für berühmte Kommentatoren zu den absoluten „Insel-Platten“ zählt. Die Klavierlieder-Aufnahmen – voran Schubert – runden das Porträt ab. Dass die Künstlerin jüngst mit der Hugo-Wolf-Medaille geehrt wurde, wird verständlich: Die Durchdringung von Wort und Ton bei absoluter Herrschaft der Melodie als Ausdrucksträgerin ist vollkommen.

Komplett aufgenommen wurden in die Box der erste Aufzug der „Walküre“ mit Jon Vickers und Matti Talvela unter Karajan – eine Interpretation von kühnem Schwung und höchster Intensität; und Karl Böhms unschlagbare Deutung von Joseph Haydns „Jahreszeiten“ (mit Peter Schreier und Talvela), eine „Inselplatte“ für den Schreiber dieser Zeilen, wenn wir schon dabei sind . . .

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2020)