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Wie aus der Not heraus neue Geschäftsmodelle entstehen

Viele Selbsständige sind von einem Totalausfall von Aufträgen konfrontiert. Aber die Krise bietet auch neue Geschäftsmodelle, sagt Beraterin Nicole Thurn.
Viele Selbsständige sind von einem Totalausfall von Aufträgen konfrontiert. Aber die Krise bietet auch neue Geschäftsmodelle, sagt Beraterin Nicole Thurn.(c) APA/AFP/OLIVIER DOULIERY (OLIVIER DOULIERY)
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Die für Österreichs Wirtschaft lebenswichtigen EPU und KMU trifft die Coronakrise besonders hart, auch jene im HR- und Recruitingbereich. Nicole Thurn will Berater, Coaches und Psychologen nun vor den digitalen Vorhang holen.

Nicht länger nur als entfernte Zukunftsvision, als Schlagwort auf Power-Point-Präsentationen, sondern faktisch und unmittelbar erleben Tausende Östereicher nun, was genau es bedeutet, örtlich und zeitlich unabhängig zu arbeiten. Die Coronakrise, so scheint es, hat mit einem Mal das geschafft, was jahrelange Trendforscher und Agilitätsprediger nicht vermochten: Unternehmen haben in einem nie zuvor dagewesenen Ausmaß auf Home-Office umgestellt. Digital erledigt sich nun vieles, was davor als nicht digitalisierbar galt. Von einem Paradigmenwechsel des Arbeitslebens zu sprechen, ist wohl keine Übertreibung.

Das passiert vielerorts allerdings unter Schmerzen. Die zwangshafte Schließung von Gastro-, Veranstaltungs- und Tourismusbetrieben trifft die für Österreichs Wirtschaft so charakteristische Landschaft aus Klein- und Mittel- sowie Ein-Personen-Unternehmen massiv. Mit der Ankündigung, bis zu 38 Milliarden Euro in die Hand zu nehmen, um diese zu unterstützen, Arbeitsplätze zu sichern und so die Krise bestmöglich durchzutauchen, hat die Bundesregierung zumindest vorerst für etwas Beruhigung gesorgt. Gleichzeitig aber zeigt sich an immer mehr Stellen, wie sehr die Not Betroffene selbst erfinderisch werden lässt. Eine Reihe neuer Online-Plattformen, die in Zeiten von Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen dabei helfen wollen, österreichisches Handwerk und Gewerbe Online anzubieten, zeugen davon.

Eine der Plattformen ist jene von Nicole Thurn. Seit vergangenen Montag bietet die Kommunikationsberaterin auf ihrer Website Newworkstories.com spezielle „Corona Services“ an. Dienstleister aus HR, Beratung und Kreativwirtschaft (wie beispielsweise Coaches, Psychologen und Berater, die sich dem Thema Innovation und New World of Work verschrieben haben) „können sich bei mir melden“, sagt Thurn im Gespräch mit der „Presse“.

Ihre Plattform soll zur Drehscheibe der verschiedenen Services zum Thema Home-Office, digitales Lernen und Home-Schooling werden. Die Motivation schöpft Thurn aus der eigenen Betroffenheit: „Weil ja eigentlich alle Branchen von der Krise betroffen sind, wollte ich etwas für mein Netzwerk und meine Community tun, in der ich mich bewege.“

Corona als Digitalisierungsbeschleuniger

Dass die Gesundheitskrise zum Beschleuniger für Digitalisierung und Change-Prozesse in den Unternehmen wird, findet Thurn „spannend, weil die Dinge, die vorher nicht möglich waren, plötzlich möglich sind.“ Die zu beobachtende Beschleunigung betreffe auch neue Arbeitsformen. „Derzeit gibt es viele Dinge, die für die Unternehmen plötzlich virulent werden. Da sind sicher Dienstleister gefragt, die remote und virtuell arbeiten.“ Deshalb sieht Thurn die Coronakrise als „Chance, das eigene Tun zu reflektieren und zu hinterfragen und neue Arbeitsformen auszuprobieren.“

Auch für Selbstständige bedeute das, sich aus der eigenen Komfortzone bewegen zu müssen. „Jetzt ist die richtige Zeit dafür, die Scheu vor digitalen Tools zu verlieren. Oft kann eine Webcam und ein kurzes Video auch in der eigenen Community viel bewirken“, sagt die Beraterin. „Da gibt es jedenfalls auch Geschäftsmodelle“. Stichwort Paid Content.

Denn ähnlich zu Qualitätsmedien, die ihre Inhalte auch immer öfter hinter Bezahlschranken stellen, kann Thurn sich das für ihre Branche ebenfalls vorstellen: „Ich sehe das problematisch, wenn man online so viel herschenkt. Die Leute müssen daran gewöhnt werden.“ Denn so hart die Krise auch sei, betont Thurn ihre positiven Effekte: „Sie ist für uns alle eine Möglichkeit, digital zu werden. Klar wird es digitale Gewinner und Verlierer geben. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Leute über ihren Schatten springen.“

Zur Person

Nicole Thurn arbeitete zehn Jahre lang als Karrierejournalistin beim „Kurier“, bis sie sich 2016 mit ihrem Online-Magazin Newworkstories.com selbstständig machte. Dort will sie für „Andersdenker“ neue Trends und Innovationen der neuen Arbeitswelt sichtbar machen und kritisch zu beleuchten. Sich selbst bezeichnet Thurn als „Storytellerin“, „freie Journalistin“ und „Kommunikationsberaterin“.