Geldpolitik

EZB bereit für weitere Maßnahmen

Falls nötig, werde man weitere Impulse setzen, erklärte die EZB in Frankfurt am Mittwoch.
Falls nötig, werde man weitere Impulse setzen, erklärte die EZB in Frankfurt am Mittwoch.imago images/Jan Huebner
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Falls nötig, wollen Währungshüter weitere Impulse gegen die Krise setzen.

Frankfurt. Angesichts der immer größeren Auswirkungen der Viruspandemie auf Europa steht die Europäische Zentralbank (EZB) Gewehr bei Fuß, die Krise stärker zu bekämpfen. Falls nötig, werde man weitere Impulse setzen, erklärte die EZB in Frankfurt am Mittwoch. Es gehe darum, „die Liquidität im Bankensystem zu sichern“ und die „reibungslose Übertragung“ der Geldpolitik in allen Ländern zu gewährleisten. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sagte, die Zentralbank werde mutige Schritte unternehmen, sollte es erforderlich sein.

Die EZB hatte am 12. März ein umfassendes Krisenpaket geschnürt, um den Kreditfluss in der Wirtschaft zu stützen. So konnten sich Banken jüngst Geldspritzen zu sehr günstigen Zinskonditionen sichern. Anders als vom Finanzmarkt erwartet, wurde allerdings keine Zinssenkung auf den Weg gebracht – die EZB hat hier kaum mehr Spielraum. Ihr Schlüsselzins zur Versorgung der Institute mit Geld liegt bei null.

Kauft EZB bald auch Fonds?

Auch der Einlagensatz, ein „Strafzins“ für Banken, die Geld bei der EZB horten, ist bereits bei minus 0,5 Prozent. Zinssenkungen schloss EZB-Chefin Christine Lagarde für die Zukunft aber nicht aus.

Der Chefvolkswirt des Schweizer Bankhauses Bantleon, Daniel Hartmann, geht davon aus, dass auch gänzlich neue Instrumente zum Einsatz kommen könnten. Für denkbar hält er etwa, dass die EZB zusätzlich zu ihren Anleihenkäufen auch börsenotierte Fonds (ETF) erwerben könnte. Auch den Kauf von Bankanleihen schloss er nicht aus. Seine Prognose: „Je nach Heftigkeit des Konjunktureinbruchs könnten weitere Schritte eventuell schon vor der nächsten planmäßigen Zinssitzung des EZB-Rats am 30. April beschlossen werden.“

In den USA soll es indes – neben Hilfen für die Unternehmen – auch Barschecks an Bürger geben, um den Konsum zu beleben. Für Europa raten Ökonomen vom Gießkannenprinzip ab. „Jetzt brauchen spezielle Gruppen liquide Mittel, zum Beispiel Einzelunternehmer, Gastwirte, kleine Firmen“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), der Österreicher Gabriel Felbermayr. (APA/Reuters)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.03.2020)

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