Die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise waren noch nie so sichtbar wie jetzt. Am Anleihenmarkt stehen Firmen besser da als Staaten. Die Renditen sind kärglich.
Die Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise waren noch nie so sichtbar wie jetzt. Früher galten europäische Staatsanleihen als solide, mit niedrigen Zinsen und viel Sicherheit. Während der Finanzkrise Ende 2008 sprangen daher ihre Anleihenkurse in die Höhe. Zu dieser Zeit galten die Anleihen der Unternehmen als besonders riskant, es gab daher die höchsten Risikoprämien und Renditen zu holen (siehe Grafik nebenan).
Mittlerweile stehen die Risikoprämien bei europäischen Staatsanleihen und Corporate Bonds auf dem gleichen Niveau. Weil Investoren so manche Firmen, etwa globale Konsumgüterhersteller oder Versorger, sicherer als Staaten einschätzen. Die Folge: Die Unternehmen müssen weniger Renditen bieten als manche Staaten, insbesondere die anfälligen Südstaaten Griechenland, Portugal oder Spanien. Das heißt aber noch lange nicht, dass man den Firmen wirklich so viel Vertrauen schenken kann. Vor allem den als sicher geltenden Versorger- und Telekomunternehmen. Sie stehen oft im Einflussbereich der Staaten. Die Politiker könnten gerade jetzt die Unternehmen zwingen, überhöhte Dividenden zu zahlen (die nicht aus Gewinnen gezahlt werden, sondern aus der Substanz; in Österreich passiert das bei der Telekom Austria). Das mindert nicht nur die Gewinne, sondern gefährdet den Bestand der Firmen und daher auch die laufenden Zinszahlungen. In diesem Fall gäbe es derzeit eine geringe Rendite für ein hohes Risiko. Daher sollte man laut Experten bei europäischen Firmenanleihen noch zuwarten. Die abschwächende Konjunktur wird dazu führen, dass die Renditen anziehen. Dann gibt's wieder ordentliche Renditen fürs Risiko. andreas kerschbaumer
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2010)