Reportage

Landleben in Zeiten von Corona: „Die Einsamkeit ist schon ein Problem!“

Das Leben im Dorf ist anders als in der Stadt – oder doch nicht? Nachrichten aus einem Ort im Wienerwald.

„Ja, sehr!“, sagt wie aus der Pistole geschossen die ehemalige Kindergärtnerin Eva R. auf die Frage, ob sie ihre Enkelkinder vermisst. Sechs sind es, die meisten sind schon erwachsen, immerhin melden sie sich telefonisch. Wenige Kilometer von der Stadtgrenze am Rande des Wienerwaldes liegt das Dörfchen und schon fast mitten im Wald eine Bungalow-Siedlung aus den siebziger Jahren. Die Bewohner sind hauptsächlich junge Familien und Pensionisten. Die Kinder sind jetzt daheim und auch die Eltern, man sieht sie mit Rucksack zu Wanderungen aufbrechen. Natürlich unter Wahrung des Sicherheitsabstandes, das ist im Wald nicht schwer, man ruft einander etwas zu, das wirkt kurios, aber es funktioniert und immerhin kann man sich ein bisschen unterhalten.

Der weitläufige Biosphärenpark beginnt gleich hinter den Häusern, die Wege sind teilweise eben und auch mit Kinderwagen und Trolleys gut zu befahren. „Wir sind privilegiert“, sagt die ehemalige Tischlerin Brigitte G., nunmehr in Pension, eine begeisterte Reisende, per Back Packing, und Wandererin. Mit Ersterem ist es jetzt vorbei, Letzteres scheitert weniger am Coronavirus als an Gelenksbeschwerden. Ganz schlimm können sie nicht sein, denn am letzten Wochenende, kurz vor den Ausgangsbeschränkungen, marschierte G. noch vier Stunden über den Schöpfl, der ist etwa eine Stunde entfernt. Mit dem Auto ist sie hingefahren, denn die öffentlichen Verkehrsmittel sind derzeit für viele tabu, obwohl sie pünktlich verkehren.