Die Fußball-WM lockt am Nachmittag

Die Fußball-WM lockt am Nachmittag und am Abend die Massen zum ORF. Aber was passiert dazwischen? Da versackt Backstage/Chili in die Bedeutungslosigkeit von Landesliga-Niveau.

Society-Reporter Dominic Heinzl hat es derzeit schwer. Jeder wollte am Freitag wissen, wie die brasilianische Tragödie gegen die Niederlande ausging und später auch den Krimi Uruguay gegen Ghana verfolgen. Da blieb zwar noch Kraft, ein Erfrischungsgetränk zu holen und „Bundesland heute“ oder „Zeit im Bild“ zu schauen, aber die von Generaldirektor Alexander Wrabetz gehätschelten, mit Millionen Euro und eigenem Studio versorgten Tratschsendungen interessieren dazwischen – pardon – kein Schwein.

Den Tiefpunkt hatte die Doppelsendung am Donnerstag. Da gab es zuvor und danach zwar keinen Fußball, aber die Quote war dennoch verheerend. Im Schnitt 60.000 Zuseher für „Backstage“, 65.000 für „Chili“ auf ORF1. Zwischen 19.24 und 20 Uhr erzielten Heinzls Sendungen einen Marktanteil von vier Prozent. Die „ZiB“ in ORF2 schauten parallel 697.000 (44 Prozent), „Bundesland heute“ gar 789.000 (59 Prozent). Am Freitag gab es zwar sieben bzw. neun Prozent für Heinzl, aber ist das genug?


Dramatischer Sinkflug. „Seitenblicke“, das gute alte Society-Konkurrenzprodukt, das von Heinzl offenbar verdrängt werden sollte, behauptete sich im Vergleich am Donnerstag mehr als wacker: 507.000 Zuseher in ORF2 zwischen 20.04 und 20.15 Uhr. Der Marktanteil von 32 Prozent ist achtmal so hoch wie jener von „Backstage/Chili“. Auch „Seitenblicke Europa“, um 21.51 Uhr in ORF2 war mit 449.000 Sehern und einem Marktanteil von 24 Prozent Weltklasse im Vergleich zur Chili-Provinz. Selbst die Wiederholung der „Seitenblicke“ um 1.25 Uhr könnte Heinzls Sendungen, wenn deren Sinkflug sich fortsetzt, bald überflügeln: 35.000 Seher sind spät in der Nacht noch an Tratsch interessiert.

Vier Prozent Marktanteil unterboten im ORF-TV am Donnerstag nur zwei Sendungen: „Schätze der Welt“ um 5.45 im Morgengrauen auf ORF2 und „Hotel Zack und Cody“ auf ORF1 um 14.32 Uhr. Der Rat des Mediators: Wrabetz sollte Heinzl Hitzeferien geben. Und im Herbst kann er sich immer noch überlegen, ob es sich lohnt, mit der „Backstage/Chili“-Quote den Tiefenrekord zu jagen.

norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2010)

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