Schnellauswahl
Covid-19

Wie ein italienisches Dorf das Coronavirus - fast - besiegte

Vo’ war eines der ersten beiden Dörfer, die in Italien komplett abgeriegelt wurden.
Vo’ war eines der ersten beiden Dörfer, die in Italien komplett abgeriegelt wurden.APA/AFP/MARCO SABADIN
  • Drucken

Jeden Tag erreichen uns neue Horrormeldungen aus Norditalien. Doch manche Orte haben es tatsächlich schon geschafft, das Coronavirus in den Griff zu bekommen, zum Beispiel die Gemeinde Vo'.

Kommt Ihnen der Name Vo’ bekannt vor? Gut möglich. Die 3400-Einwohner-Gemeinde in der norditalienischen Provinz Padova kam am 21. Februar in die Schlagzeilen, weil in dem Ort mehrere Bewohner an dem neuartigen Coronavirus erkranken. Damals war von Ausgangsbeschränkungen in halb Europa noch nicht die Rede und Vo' war gemeinsam mit Codogno in der Lombardei die erste Gemeinde, die komplett abgeriegelt wurde. Seitdem hat sich viel getan und im Gegensatz zum Rest des Landes hat sich die Lage in Vo' wieder etwas entspannt. Dort ist die Zahl der Infizierten nämlich von 88 auf sieben gesunken. Seit Freitag gibt es keine neuen Fälle.

95 Prozent getestet

Dies führt der Immonuloge Sergio Romagnani von der Universität Florenz darauf zurück, dass 95 Prozent der Einwohner der Gemeinde auf das Virus getestet wurden. Die ausgewerteten Daten zeigen, dass zwischen 50 und 75 Prozent der Menschen keine oder kaum Krankheitssymptome. In Vo' wurden sie dennoch sofort isoliert.

Daraus würden sich zwei wichtige Schlüsse ziehen lassen: „Der Prozentsatz der infizierten Personen ist sehr hoch, viele der Infizierten sind jung und zeigen keine Symptome. Und es ist essentiell, auch diese Menschen zu isolieren, um die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bekommen“, sagt Romagnani laut der italienische Zeitung „Repubblica“.

Dies sei ganz entscheidend, um den Kampf gegen den Virus zu gewinnen. Bisher habe aber niemand diese Überträger gesucht und isoliert. Besonders wichtig sei es, das medizinische Personal zu testen. Dass Krankenschwestern und -pfleger sowie Ärzte nicht getestet würden, solange sie keine Symptome haben, sieht er als großen Fehler an. Darauf drängt auch die italienische Ärztegewerkschaft. Man solle generell alle Ärzte zum Schutz der Patienten testen. Immerhin seien gerade sie ständig im Kontakt mit der Risikogruppe. 

„Können bis zu 25.000 Tests pro Tag machen"

Luca Zaia, Regionalpräsident von Venezien sagt nun: „Ein Abstrich kann Leben retten.“ Er will so viele Bürger wie möglich testen: "Wir sind in der Lage bis zu 25.000 Tests am Tag zu machen und haben das Ergebnis innerhalb von vier Stunden". Außerdem will er die Bevölkerung via Smartphone überwachen. Am Mittwoch gab es bereits 113 Tote in der Region.

Auch die WHO hat dazu aufgefordert, so viele Menschen wie möglich auf das Virus zu testen. "Wir haben eine simple Botschaft: Testet, testet, testet“, sagt Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Den Weg der Massen-Tests geht auch Island. Die ersten Ergebnisse zeigen hier ähnlich wie in Vo': Die Hälfte der Träger sind ohne Symptome. Das gleiche Bild zeigt sich auch in Südkorea, das sehr früh mit dem Testen via „Drive Throughs“ begonnen hat und zum Ergebnis kam, dass viele Junge infiziert sind, ohne Symptome zu zeigen. Die landesweite Sterblichkeitsrate in Südkorea liegt dort bei 0,77 Prozent - weit unter dem globalen Durchschnitt.

3000 Tote in Italien

In Italien liegt die Sterberate dagegen deutlich höher. Bisher sind in Italien knapp 3000 Menschen an einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben, der Großteil der rund 35.000 Menschen wurde positiv getestet. Die tatsächlichen Zahlen dürften aber viel höher sein: Laut Schätzungen der italienischen Stiftung GIMBE aus Bologna haben sich mehr als 100.000 Italiener mit dem Virus infiziert. 

Für die Coronavirus-Epidemie am schwersten getroffene norditalienische Region Lombardei ist ein Durchtesten der Bevölkerung jedenfalls keine Option, dafür reichen die Mittel und die Zeit bei weitem nicht aus. Die Regionalregierung ruft nun die Regierung in Rom zu einem kompletten Shut Down, also einer strikten Ausgangssperre, auf: "Es gibt keinen anderen Weg. Die Krankenhäuser sind am Ende.“

Was kann man aus Italiens Fehlern lernen?

>>> Hier geht's zur Analyse von Susanna Bastaroli [premium]