Eine streng nebensächliche Bilanz

Löcher in der Netzhaut, Larissa an der Fan-Front und viele "enge Kisten": So wird die WM 2010 gewesen sein. Eine streng nebensächliche Bilanz.

Journalisten sind notorisch ungeduldige Menschen. Das Halbfinale liegt noch in relativer Ferne, da wird schon an der „Das war die WM 2010“-Bilanz gebastelt. Ich bin da keine Ausnahme. Weil Sie aber alles von A wie „Aha, Afrika kann tatsächlich eine WM organisieren“ bis V wie veni, vidi, Videobeweis noch so oft hören werden, dass Sie Vuvuzela bald fließend rückwärts schnarchen, hier bloß ein kleines, rasches „Best of“ der Nebensächlichkeiten, die von der WM bleiben werden. Wie zum Beispiel. . .

... Erstens: kleine Löcher in der Netzhaut. Fußballschuhe in Knallorange. Danke Nike dafür.

Zweitens: Schorf am Knie. Sehe das nur ich oder wird beim Torjubel öfter auf den Knien geruscht? Erste Nachahmer beim Kinderturnier auf der G'stettn habe ich jedenfalls schon weinen gesehen.

Drittens: Mahindra Satyam. Wenn Firmen, von denen man noch nie etwas gehört hat, mit sündteurem Sponsorenbanner werben, weiß man, dass Fußball in der ganzen Welt angekommen ist.

Viertens: die Kiste. Kommt zum Einsatz, wenn deutsche Spieler nach dem Match etwas ins Mikro keuchen sollen. „Das war 'ne enge Kiste“ heißt, dass es knapp war, „das war 'ne geile Kiste“, dass es gut war. Im ORF-Moderatorenteam ist „die Kiste“ schon angekommen. Daheim auf dem Sofa ebenso.

Fünftes: Larissa Riquelme. Ist Model, Paraguay-Fan und sieht gut aus. Außerdem versenkt sie ihr Handy gern im Dekolleté, was reicht, um es sogar in die „Süddeutsche“ zu schaffen. Aber gut, Journalisten sind halt auch Menschen. Manchmal notorische.

ulrike.weiser@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2010)

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