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Regelreform verschoben

Die Rekordfahrt der Formel 1 geht in die Verlängerung

Braucht einen neuen Vertrag: Mercedes-Star Lewis Hamilton.
Braucht einen neuen Vertrag: Mercedes-Star Lewis Hamilton.(c) REUTERS (TRACEY NEARMY)
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Weil die Formel 1 stillsteht, wurde die für nächste Saison geplante Regelrevolution verschoben. Im Vertragspoker von Weltmeister Lewis Hamilton und Mercedes werden die Karten damit neu gemischt.

London. 90 Millionen Dollar Jahresgage soll Lewis Hamilton gefordert haben. 60 Millionen Dollar Grundgehalt plus Erfolgsprämien. Dass die Dienste des 35-jährigen Briten, sechsfacher Weltmeister, bester Rennfahrer seiner Generation und überaus gefragter Werbeträger, diese Summen rechtfertigen, ist in der Formel-1-Welt unbestritten. Doch die Königsklasse steht ob der Coronapandemie still, und die Karten in Hamiltons Vertragspoker mit Branchenführer Mercedes werden völlig neu gemischt.

Mit Ende 2020 läuft Hamiltons Vertrag bei Mercedes aus. Dieses Datum sollte zugleich eine Revolution in der Formel 1 bedeuten. Ab 2021 war ein komplett neues Reglement vorgesehen. Das Ziel: mehr Chancengleichheit, mehr Überholen, spannendere Rennen. Die Autos hätten sich massiv verändert, und wie immer bei solch drastischen Neuerungen wäre die Vorherrschaft des dominierenden Rennstalls gefährdet gewesen.

Doch im Moment ist völlig offen, wann die aktuelle Saison 2020 überhaupt anhebt. Der Grand Prix von Monaco (24. Mai) wurde bereits abgesagt. Die Teams befinden sich im Shutdown-Modus – und haben nun durchgesetzt, dass die Regelrevolution um ein Jahr auf 2022 verschoben wird. Sonst wäre sich alles nicht mehr ausgegangen. Während des laufenden PS-Betriebs hätte die Entwicklung der neuen Autos schließlich schon heuer mit Nachdruck vorangetrieben werden müssen.

Doch nun werden Chassis, Getriebe und andere zentrale Bauteile auch im nächsten Jahr unverändert bleiben. Selbst Ferrari, das große Hoffnungen in das neue Reglement setzt, um Mercedes zu stürzen, hat diesen Beschluss mitgetragen. Am Donnerstagabend wurde die einstimmige Entscheidung bekanntgegeben.

Purzelnde Rekorde

Zwar sind die Kräfteverhältnisse in dieser Saison mangels Grand Prix noch nicht deutlich geworden, geändert haben dürfte sich aber wenig. Mercedes wird auch heuer – unabhängig davon, wann der Startschuss fällt – das Team sein, das es zu schlagen gilt. Weil das aktuelle Reglement nun um eine Saison verlängert wurde, wird das 2021 nicht anders sein.

Hamilton kann seine Rekordfahrt fortsetzen, Bestmarken wie die sieben WM-Titel und 91 Rennsiege von Michael Schumacher werden spätestens 2021 fallen. Eine Vertragsverlängerung über 2020 hinaus ist für den Superstar nun kaum mehr mit Risiko verbunden, er wird weiterhin im besten Auto sitzen. Die Frage ist: Würde sich Hamilton danach, wenn alle Rekorde gefallen sind, überhaupt noch auf ein ungewisses Abenteuer ab 2022 mit völlig neuen Autos einlassen?

Was dennoch schon 2021 kommen wird, ist die Budgetgrenze von 175 Millionen Dollar. Derzeit geben die Topteams pro Saison gut das Doppelte aus. Kleinere Rennställe haben damit eine Sorge weniger. Sie hatten befürchtet, dass Mercedes, Ferrari und Red Bull dieses Jahr – ohne Kostenlimit – massiv in die Entwicklung der neuen Autos investieren. Für Hamiltons Vertrag spielt die Kostengrenze aber keine Rolle, die Fahrergagen fallen nicht darunter.

(joe)