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Land- und Forstgüter

Begehrtes Idyll fernab von allen Nachbarn

Interieur des Graf Lamberg’schen Forsthauses in Molln.
Interieur des Graf Lamberg’schen Forsthauses in Molln.OEBf-Archiv, Christoph Panzer
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Sie sind in Krisenzeiten traditionell besonders begehrt.

Ein abgelegenes Stück Land mit viel Natur, Platz und Abstand zum nächsten Nachbarn dürfte im Moment vielen als der ideale Grundbesitz vorkommen. Und das nicht zum ersten Mal, in Krisenzeiten aller Art erfreuen sich Grund und Boden traditionell besonderer Beliebtheit, wenn es um Investitionen geht – aus den unterschiedlichsten Gründen. Nach der Lehman-Pleite und in Zeiten niedriger Zinsen suchten viele ihr Heil in entsprechenden Käufen, was den Preis für den Quadratmeter Wald – je nach Bonität – von unter einem auf deutlich über zwei Euro pro Quadratmeter hinaufschnellen ließ.

Schöne Autarkie

Abgesehen von wirtschaftlichen Interessen liegen die Beweggründe für den Kauf eines Forsts oder einer Eigenjagd für viele in dem guten Gefühl, auf dem eigenen Grund und Boden spazieren gehen oder jagen zu können. Eine gewisse Autarkie, etwa durch eine eigene Quelle oder selbst angebautes Gemüse, spielt bei den Überlegungen manchmal ebenfalls eine Rolle.

Wie hoch dieses Lebensgefühl im Kurs steht, zeigt das Immobilienergebnis der Österreichischen Bundesforste (ÖBF), das soeben veröffentlicht wurde. „2019 konnte die Betriebsleistung im Bereich Immobilien erneut gesteigert werden und erreichte mit 48,7 Millionen Euro einen neuen Höchststand. Das bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von fast fünf Prozent“, freut sich Georg Schöppl, Vorstand für Immobilien und Finanzen, über die positive Entwicklung.

Mit einem Anteil von 20 Prozent ist der Bereich Immobilien neben dem Kerngeschäft Forst/Holz nicht nur die zweitwichtigste, sondern mittlerweile die ertragsstärkste Sparte der Bundesforste. Die Erlöse werden mit laufenden Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung – nicht aus einmaligen Verkäufen – erzielt. „In den vergangenen zwanzig Jahren ist der Bereich Immobilien kontinuierlich gewachsen, und auch für 2020 rechnen wir mit weiterem Wachstum“, erklärt Schöppl. Im Durchschnitt konnte das Ergebnis seit 1997 jedes Jahr um sechs Prozent gesteigert werden, heißt es im Bericht.

Im vergangenen Jahr sei insbesondere die Nachfrage nach Baurechten und Baupachtverträgen gestiegen, aber auch die Entwicklung betriebseigener Immobilien forciert worden. „Allein für heuer sind Investitionen in der Höhe von rund 14 Millionen Euro geplant, in den nächsten Jahren sollen weitere mehr als 30 Millionen Euro in den Bereich Immobilien investiert werden.“

Ungebrochen hoch ist die Nachfrage nach Baurechten und Baupachtverträgen, die 2019 einen neuen Höchststand erreicht haben. „Die Zahl der Baurechtsverträge und Baupachtverträge ist im vergangenen Jahr von 770 auf 800 Verträge gestiegen“, berichtet Schöppl.

• Historische Forstdirektion

Zu den Luxus-Liegenschaften der Bundesforste, die aktuell auf einen neuen Pächter warten, gehört das ehemalige Graf Lamberg'sche Forsthaus mit angrenzender Alm am Rand der Kalkalpen. Einst diente das unter Denkmalschutz stehende Anwesen in der sogenannten Breitenau, einem Seitental des Nationalparkorts Molln, als Forstdirektion, jetzt kommt es nach 20-jähriger Verpachtung neu auf den Markt.

Zu der 2,5 Hektar großen Weidefläche und der rund zwei Hektar großen Almweide gehört der u-förmige Hof mit 7300 Quadratmeter großem „Hausumgriff“ (siehe Kasten) und weiters ein Wohngebäude mit rund 300 Quadratmetern Wohnfläche. In diesem finden sich unter anderem ein Salon mit originalen Türen, eine Bibliothek, ein Atelier sowie diverse Kachelöfen und historisches Mobiliar.

Beheizt wird das Haus mit einer Pelletsanlage aus dem Jahr 2015. Zu den Nebengebäuden gehören ein Gästehaus, eine Scheune, ein Heuboden, eine Sauna und ein Kellerstöckl. Besonders für Pferdeliebhaber dürften der sogenannte Round Pen – ein eingezäunter, runder Pferdeplatz – sowie drei Boxen, eine Sattelkammer und ein Reitplatz interessant sein. Vermittelt wird das Anwesen über die Bundesforste, die monatliche Pacht beläuft sich auf 3600 Euro, Infos gibt es unter www.bundesforste.at/immobilien.

• Begehrte Eigenjagd

Wenn neben Wald- und Weideflächen noch eine Eigenjagd zu einem Anwesen gehört, steigert das den Wert ganz besonders. Denn nicht in jedem Wald darf bekanntlich gejagt werden: Die heute gültigen Regelungen in den einzelnen Bundesländern gehen alle noch auf die Jagdreform durch Kaiser Franz Joseph zurück, die eine Mindestgröße von 115 zusammenhängenden Hektar vorschrieb. Heute sind die Anforderungen teilweise noch strenger, so werden für Tirol mindestens 200, im Burgenland sogar 300 Hektar verlangt.

Zum Herrenhaus in Spittal an der Drau gehört eine Eigenjagd.
Zum Herrenhaus in Spittal an der Drau gehört eine Eigenjagd.Re/Max Impuls

In Kärnten sind es nach wie vor die kaiserlichen 115 Hektar, die bei einer aktuell zum Verkauf stehenden Eigenjagd aber bei Weitem übertroffen werden: Diese gehört zu einem Jagd- und Herrenhaus in Spittal an der Drau, umfasst 280 Hektar und ist vor allem für Gams- und Rotwildjäger interessant. Das dazugehörige Herrenhaus stammt aus dem 14. Jahrhundert und weist ebenfalls großzügige Ausmaße auf: So finden sich dort 500 Quadratmeter Nutz- und 600 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 5000 Quadratmeter großen Grund mit Pool. Direkt vom Wasser in den Wald geht es hier allerdings nicht: Die Fahrtzeit vom Haus zum Jagdrevier beträgt rund eine halbe Stunde mit dem Auto. Vermittelt wird das Ensemble über Re/Max Impuls in Seeboden, aufgerufen sind dafür 4,8 Millionen Euro.

Größenmäßig in einer ganz eigenen Liga spielt eine Hochgebirgsjagd in den nördlichen Kalkalpen: Dort wird aktuell eine Fläche von 718 Hektar angeboten, zu der bereits jetzt weitere 179 Hektar dazugepachtet sind, die bei Bedarf noch einmal um 217 Hektar ergänzt werden können.

Das Jagdgut im Toten Gebirge in der nördlichen Steiermark umfasst drei Jagdhütten.
Das Jagdgut im Toten Gebirge in der nördlichen Steiermark umfasst drei Jagdhütten.Spiegelfeld Immobilien

• Groß im Gebirge

Neben jeder Menge Rot-, Gams- und Rehwild gehören zu dem Jagdgut im Toten Gebirge drei Hütten beziehungsweise Jagdhäuser, in denen „in uriger, aber auch komfortabler Weise genächtigt werden kann“, wie es das Exposé ausdrückt. Das Gebiet erstreckt sich zwischen 1300 und knapp 2400 Metern Seehöhe und umfasst ein Wintergatter. Aktuell wird es von einem Berufsjäger betreut. Vermarktet wird das Anwesen über Spiegelfeld Immobilien, der Preis wird nur auf Anfrage verraten.

Lexikon

Umgriff. Zum Umgriff gehören bei Gebäuden unter anderem der Dachüberstand oder ein Vordach, außerdem die einzuhaltenden Abstände zu Nebengebäuden wie Schuppen oder Ähnlichem.

Jagdgatter. Im Unterschied zu einem Jagdrevier ist ein Jagdgatter ein eingezäunter Bereich.

Bonität. Bezeichnet die Qualität des Baumbestands hinsichtlich des Alters, der Zugänglichkeit, der Arten etc.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2020)