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Die schönsten Musicals auf Netflix, Amazon und Co.

„I'm singin' in the rain . . .“: Gene Kellys Titelnummer wurde oft zitiert, auch fies zweckentfremdet. Die inhaltlichen Obertöne des virtuosen Filmmusicals werden dabei oft ausgeblendet.MGM
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„Singin in the Rain"? Gerade eher schwer möglich. Aber anderen dabei zuzuschauen, vermag immer noch die Stimmung zu heben: Fünf Film-Empfehlungen - nicht nur für Musiktheaterfans.

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Singin' in the Rain

Von Gene Kelly und Stanley Donen, 1952
Zu sehen auf Sky

Das Filmmusical war die Königsdisziplin des klassischen Kino-Eskapismus. In Strömen flossen hinter den Kulissen Schweiß und Tränen, damit alles auf der Leinwand den Anschein weltvergessener Leichtigkeit erwecken konnte. Tanz, Gesang, Kostüm, Kamera, Ausstattung: Die Grundelemente gediegener Hollywoodunterhaltung wirkten hier bisweilen auf alchemistische Weise zusammen – und gebaren Laufbild-Glücksbringer, deren Strahlkraft bis heute erstaunt. Gene Kelly war ein Gott dieser Gefilde, „Singin' in the Rain“ seine vielleicht größte Sternstunde.

Was im Schatten der oft zitierten (oder fies zweckentfremdeten, siehe Kubricks „Uhrwerk Orange“) Vorzeige-Titelnummer des Films (Regenschirm, Laterne!) oft ausgeblendet wird, sind die inhaltlichen Obertöne des vom erst 2019 verstorbenen Klassizisten Stanley Donen virtuos inszenierten Wunderwerks. Wie beim Musical-Reanimator „La La Land“ schlägt in seinem Herzen Nostalgie: Spielt er doch in der 1952 längst vergangenen Stummfilmzeit, die augenzwinkernd aufs Korn genommen wird. Und feiert die Traumfabrik als Hort hemdsärmeliger Romantiker, die ihrem Bespaßungs-Handwerk immer wieder verzückende Kunst abringen. Ein Kronjuwel der Industrie, zum Schwelgen und Abheben.

 

A Star Is Born

Von Bradley Cooper, 2018
Zu sehen auf Sky

Die allererste Fassung von „A Star Is Born“ (1937, zu sehen auf Amazon) war gar kein Musical: Janet Gaynor spielte darin eine Unschuld vom Lande, die in Hollywood zu Ruhm kommt – dank der Unterstützung eines alkoholkranken Stars, der sich für seinen Protegé aufopfert. Doch seit dem Judy-Garland-Remake von 1954 wird der Stoff stets mit Klangwerk versehen. 1976 wurde er mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson im Rock-Gewand neu aufgesetzt. Auch Bradley Coopers jüngste Neuauflage schwingt sich ins Stadion-Rampenlicht. Lady Gaga trällert sich ungeschminkt ins Pop-Pantheon, während der Regisseur als gefallener Country-Mentor verschmachtet. Eine der schönsten Schmonzetten seit Längerem.

 

South Park: Bigger, Longer & Uncut

Von Trey Parker u. Matt Stone, 1999
Zu sehen auf Netflix

Die Schöpfer der hintersinnigen Trickfilm-Vulgärsatire „South Park“, machten nie einen Hehl aus ihrer Schwäche für Musicals. Dennoch rechneten die wenigsten damit, dass der einzige Spielfilmableger ihrer Erfolgsserie sich als Musiknummernrevue entpuppen würde – und zwar eine, die kompositorisch mit den Bestleistungen des Genres mithalten kann. Wer mit derbem Humor, krudem Animationsstil, Cartoon-Fistelstimmen und Songtiteln wie „Kyle's Mom's a Bitch“ kein Problem hat, findet hier ein abwechslungsreiches Ohrwurm-Buffet, das zwischen liebevoller Parodie und inbrünstiger Hingabe oszilliert. Lob für das kantable Kuriosum gab es gar von Broadway-Großmeister Stephen Sondheim.

 

Romance & Cigarettes

Von John Turturro, 2005
Zu sehen auf Flimmit

Müssen Schauspieler singen können, um in einem Musical mitzuspielen? Nein, meint US-Charakterdarsteller John Turturro – und stellt diese These in seiner dritten Regiearbeit unter Beweis. Wobei keinerlei Nachbearbeitungstricks angewendet werden, damit die Tonspur dieses charmanten Working-Class-Liebesreigens das Trommelfell umschmeichle. Im Gegenteil: Wenn Hollywood-Legenden wie Christopher Walken, Susan Sarandon und James Gandolfini zu saftig-sinnlichen Hadern wie „Prisoner of Love“, „Piece of My Heart“ oder „Delilah“ ihre Knödelstimmen auspacken, bleibt vokales Unvermögen unverfälscht. Denn jeder Karaoke-Kenner weiß: Was wirklich zählt, ist Leidenschaft, nicht Technik.

 

Les Misérables

Von Tom Hooper, 2012
Zu sehen auf Netflix und Amazon

An Melodramatik mangelt es Victor Hugos Jahrhundertroman „Les Misérables“ nicht. Kaum verwunderlich, dass seine Breitwand-Tapisserie menschlicher und gesellschaftlicher Verwerfungen im napoleonischen Frankreich zur Basis eines der erfolgreichsten Musicals geriet. In dessen einziger Verfilmung zog Regisseur Tom Hooper alle Register, um dem ultrapathetischen Bühnenepos angemessene Leinwandwucht zu verleihen. Er rekrutierte Hollywoodstars mit Gesangstalent – allen voran Hugh Jackman und Anne Hathaway (die für ihre Großaufnahmen-Verausgabung einen Oscar einheimste). Zudem bestand Hooper darauf, die Songs live mit Klavierbegleitung aufzunehmen – der Orchestersoundtrack wurde später angefügt. Das Resultat ist eine in jeder Hinsicht unebene, aber durchweg faszinierende Mischung aus schwülstigem Bombast und kraftvoller Unmittelbarkeit, die Aufsteigern wie Amanda Seyfried und Eddie Redmayne zum Durchbruch verhalf. Nur der mürbe Sprechgesang von Sacha Baron Cohen und Russell Crowes leiernder Tonfall als Gesetzesgeißel Javert sorgen für akustisches Ungemach. Ästhetisches – wie bei Hoopers rezenter Musical-Bestialität „Cats“ – bleibt einem weitgehend erspart.

 

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