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Mach E

Mustang: Pony mit Stecker

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Fords erster Beitrag zur E-Mobilität reitet als Mustang Mach E in die Prärie der Strom-SUVs.

Im Wettstreit um blasphemische Entweihungen von Ikonen hatten die Chinesen mit MG nur kurz die Nase vorn. Die Amerikaner können das ebenso gut und nehmen dafür sogar ihre eigenen: Mit dem Brandzeichen von Mustang galoppieren ab sofort nicht länger nur ein sport-liches Coupé oder Cabrio, sondern auch ein batterieelektrisches Crossover-SUV. Als Draufgabe annektiert es auch noch den historischen Code für satte Power bei der Marke, also Mach – hier passenderweise mit dem Zusatz E statt 1 oder 2 versehen.

Ist das einmal verdaut, lässt sich der Neue im Ponyhof lockerer betrachten. Das bisherige Format auf ein viertüriges SUV umzustanzen, hat Ford erst gar nicht versucht. Mehr als ein paar Anleihen bei den Heckleuchten des Mustang nimmt der Mach E nicht. Was dem Stromer gut gelingt: seine über 4,7 Meter Länge recht kompakt wirken zu lassen. Damit die serienmäßigen 18-Zöller in den großen Radkästen nicht verhungert aussehen, sind mit 225/60 komfortable Pneus aufgezogen, die kunststoffbewehrten Radläufe helfen optisch zusätzlich aus.

Fords Elektropremiere nimmt einen bekannten Namen an, greift auf den Mustang aber nur in Zitaten zurück.
Fords Elektropremiere nimmt einen bekannten Namen an, greift auf den Mustang aber nur in Zitaten zurück.(c) Beigestellt

Drinnen herrscht jene technische Coolness, wie sie inzwischen fix zum E-Auto-Repertoire gehört. Ein Cockpit in zwei waag-
rechten Ebenen – die obere davon aus einem durchgehenden B&O-Boxensystem bestehend. Augenmagnet schlechthin ist der hochkant frei stehende 15,5-Zoll-Bildschirm in der Mitte, mit dem der Mach E zu Recht behaupten kann, derzeit den größten zu haben – Touchscreen nämlich. Praktisch alle Funktionen lassen sich darüber steuern, Freunde von mechanischen Tasten und Schaltern gehen im Elektro-Mustang so gut wie leer aus. Softwareupdates passieren künftig „Over the Air“, somit automatisch, die jeweils letzte Variante bleibt gespeichert: Wer mit der neuesten Version nicht zufrieden ist, kann jederzeit zurückwechseln.

Pferdesport in Zeiten des E-Antriebs: An schierer Leistung wird es kaum mangeln.
Pferdesport in Zeiten des E-Antriebs: An schierer Leistung wird es kaum mangeln.(c) Beigestellt

Beim Konstruktionsprinzip folgt man gängigen Standards: Akkus mit eigenem Kühl- und Heizkreislauf in der Bodenplatte, je nach Variante ein E-Motor an der Hinterachse oder je einer vorn und hinten. Wie viel Temperament im Pony wohnt, ist variabel: 258, 285 und 337  PS werden zur Wahl stehen, je nach Batteriegröße mit Ausdauer für 420 bis 600  Kilometer. In der Neigungsgruppe Haudrauf spielt ein für etwas später angekündigter GT mit 485 PS und 830 Nm Drehmoment. Schon die Beschleunigung der Basismotorisierung verdient die Bezeichnung Kickdown mehr als redlich. Nominell sollten es 8,5 Sekunden sein – es fühlt sich an wie die Hälfte.

Da will sich Ford nichts nachsagen lassen: Der Touchscreen ist riesig, der derzeit größte von allen.
Da will sich Ford nichts nachsagen lassen: Der Touchscreen ist riesig, der derzeit größte von allen.(c) Beigestellt

Die Abstimmung der Europa-Mustangs hat Ford in die kundigen Hände der Ingenieure gelegt, die sich sonst an ST- und RS-Varianten austoben. Dementsprechend ist der Mach E ein strammes Kerlchen, der Radstand von gut drei Metern hilft bei der Spreizung zwischen sportlichem Handling
und Fahrkomfort. Nur drei Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag.  Knappe 11,6  Meter Wendekreis sind weitere Para-
meter grundsätzlicher Knackigkeit. Beim Gewicht hält sich Ford bedeckt – um die 2,4  Tonnen werden es wohl sein. Der Mach E ist ein Weltbürger: Die aus Asien angelieferten Akkuzellen werden in Polen zu Batteriepacks, dann ins Werk nach Mexiko verschifft, um im fertigen Auto die Rückreise nach Europa anzutreten. Es muss einiges an Ökostrom durch die Ladekabel fließen, um diese CO2-Bilanz wieder auszugleichen.

In Österreich wird der Mustang Mach E erst 2021 einreiten, mutmaßlich zu einem Basispreis von etwa 47.000 Euro.

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Mustang Mach E

Ein oder zwei E-Motoren, verschieden große Akkupacks und PS-Reservoirs: Fords erster Stromer lässt sich je nach Bedarf und Budget satteln.

Antrieb: 2 Asynchron- E-Motoren (AWD)

Leistung: 190 kW (258 PS)

Drehmoment: 565 Nm

Getriebe: integriert, Ein-Gang

Batterie: 75,7 kWh

0–100 km/h: ca. 8,5 sec

Reichweite: WLTP: 420 km (Standard Rg.)

Preis: ca. 47.000 Euro (geschätzt)

("Die Presse - Fahrstil", Print-Ausgabe, 21.03.2020)