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Pandemie

Italien: Mehr Geistliche als Ärzte sterben am Coronavirus

Um weitere Infektionen zu vermeiden, sind Begräbnisse in Italien derzeit verboten.REUTERS
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18 Seelsorger fielen dem Virus bisher zum Opfer. Sie kommen in Kontakt mit den schwersten Fällen, um Sterbenden die Letzte Ölung zu geben.

Seit Wochen sind die italienischen Priester ganz nah bei den Corona-Patienten. Sie beten mit den Schwerkranken, geben Sterbenden die Letzte Ölung. Und jetzt fallen mehr und mehr Pfarrer der Pandemie zum Opfer. Die Diözese Bergamo im Nordosten von Mailand scheint am stärksten betroffen zu sein. Mindestens zehn Geistliche seien dort gestorben, berichtete die Tageszeitung "Avvenire" am Donnerstag.

Es gebe so viele Tote - Geistliche und andere Gemeindemitglieder - dass "sie schwer zu zählen sind", hieß es in dem Bericht. In der Stadt Parma wurden fünf Todesfälle unter Pfarrern gemeldet. Auch in Brescia, Cremona und der Metropole Mailand starben Geistliche. Alle diese Gemeinden liegen im Norden des Landes.

Italien ist derzeit weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen, mehr als 3400 Infizierte starben. Wie Ärzte kommen auch die Priester in Kontakt mit den schwersten Fällen. Und wie Mediziner haben Pfarrer viel Kontakt untereinander - ideale Bedingungen für eine Ansteckung.

Ohne Trauerfeier bestattet

Laut einer Zählung der italienischen Nachrichtenagentur Ansa vom Donnerstag starben bisher 13 Ärzte. Bei den Geistlichen sind es mindestens 18 Tote. "Ausgestattet mit Atemmaske, Schutzbrille, Kappe, Kittel und Handschuhen gehen wir Pfarrer wie Zombies durch die Flure", sagte Claudio del Monte der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos.

Del Monte leitet eine Gemeinde in der Stadt Bergamo. In der gleichnamigen Provinz gibt es die meisten Infektionen im Land; am Freitag waren es mehr als 4600. Es sterben dort so viele Menschen, dass die Armee von ihr gezimmerte Särge liefern musste und die Leichenhallen nicht mehr ausreichen. "Wir wissen nicht mehr, wohin mit den Toten", zitiert das Nachrichtenportal des Vatikans den Bischof von Bergamo, Francesco Beschi.

Wie alle andern Opfer, werden auch die Priester ohne Trauerfeier bestattet. Um weitere Infektionen zu vermeiden, sind Beerdigungen und Hochzeiten seit mehr als einer Woche verboten und werden es vermutlich für viele weitere Wochen oder Monate bleiben.

„Es schmerzt zu sehen“

"Es schmerzt zu sehen, wie die Priester krank werden", sagte Enrico Salmi, der Bischof von Parma, der Zeitung "Avvenire". "Manchmal passiert es, weil sie ihre seelsorgerische Pflicht erfüllen. Sie gehen auf Intensivstationen, wo eigentlich niemand hin sollte."

Am Mittwoch habe ihn Papst Franziskus angerufen, sagte Bischof Beschi. Er sei "sehr berührt vom Leiden und den vielen Toten" unter den Priestern gewesen. Der Papst hatte die Pfarrer wiederholt aufgerufen, die Kranken zu besuchen. Am Donnerstag beteiligte sich das 83-jährige Kirchenoberhaupt an einem landesweiten Gebet der italienischen Bischofskonfenenz gegen die Corona-Pandemie - allerdings per Videoschaltung aus sicherer Entfernung.

(APA/AFP)