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Personalie

Siemens-Vize wird neuer Chef

Der Technologievorstand des deutschen Industriekonzerns, Roland Busch, wird Nachfolger des scheidenden Vorstands Joe Kaeser.

Wien/München. Er isst sein Frühstücksei angeblich ohne Eigelb und schon in der Früh dreht er seine Runde im Fitnessstudio. Roland Busch gilt als diszipliniert und technokratisch – als jemand, der Klartext redet. Nicht jeder wird mit dem fordernden Führungsstil des designierten Siemens-Chefs auskommen. Dennoch galt der hochgewachsene Franke schon lang innerhalb des deutschen Industriekonzerns als Favorit für die Nachfolge des scheidenden Siemens-Chefs Joe Kaeser.

Eigentlich wollte der Aufsichtsrat die Personalie erst im Sommer entscheiden. Es wurde über ein Bleiben Kaesers spekuliert. Er selbst hatte im vergangenen Herbst die Gerüchteküche hochkochen lassen, als er sagte, in der größten Not könne er als Vorstandschef auch noch einmal verlängern. Dem Aufsichtsrat dürfte das wenig goutiert haben, der nun die monatelange Ungewissheit mit einer Entscheidung für Busch beendet hat. Im Lauf des Jahres wird Kaeser immer mehr Funktionen an den 55-Jährigen übergeben, der mit Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober de facto Chef ist. Offiziell soll der Wechsel spätestens auf der Hauptversammlung am 3. Oktober 2021 vollzogen werden.

Dass die Wahl auf Busch fällt, dürfte am Ende niemanden überrascht haben. Schon im vergangenen Sommer hatte der Aufsichtsrat den Technologie- und Betriebsvorstand zum Vize ernannt und damit eine gewisse Vorentscheidung getroffen. Vor etwa 26 Jahren begann der gebürtige Erlanger nach dem Physikstudium für Siemens zu arbeiten. Er ist seit neun Jahren Mitglied des Vorstands und in vielen Divisionen sehr gut vernetzt. Mit politischen Äußerungen hielt er bisher hinterm Berg, anders als Kaeser, der im öffentlichen Diskurs gern mitmischte. Vor Busch liegt eine Phase des Umbruchs. Denn Siemens will heuer sein Energiegeschäft als Siemens Energy an die Börse bringen. (mad.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2020)