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Mein Samstag

Heimarbeit, Woche eins

Schon seltsam: Da sudert man (ich kann das gut!) jahrein, jahraus über das schulbedingt viel zu frühe Aufstehen, die morgendliche Hektik. Und jetzt wünscht man sich nach einer Woche Home-Office plus schulfrei genau das sehnlichst zurück: Diesen normalen Alltag.

Ob das Home-Office (ja, es heißt „das“, finden Sie nicht auch, dass „die“ Home-Office schöner wäre?) und ich noch enge Freunde werden, würde ich aktuell nicht unbedingt unterschreiben. Auch wenn – man soll in Zeiten wie diesen das Positive betonen – das Wetter es erlaubt hat, das Heimbüro teilweise auf den Balkon zu verlagern, wo sich auch der Rest der Nachbarschaft eingefunden hat (nicht auf meinem, auf denen rundherum!). Und da zeigt sich, dass die Wiener halt nicht die italienische Mentalität ist: Sieht man im Web Bilder von Italienern, die von Balkon zu Balkon tratschen und musizieren, ist es in meinem Hof mehr so: Jeder für sich. Aber jeder mit Handy am Ohr. (Und Musik, falls man es so nennen möchte, macht immer noch nur der Bassgitarrennachbar.) Es wird jetzt mehr telefoniert, was (man soll ja das Positive . . .) schön ist. Wenn man daneben aber versucht, sinnvoll zusammenhängende Sätze zu schreiben, hilft die Telefonkulisse nicht maßgeblich weiter. Dafür weiß ich jetzt vom Mithören, wie es welchem Nachbarn mit dem Home-Office geht (zusammenfassend: mittelschlecht) und wie die eine Nachbarin ihre Eltern beschäftigt („Ich hab ihnen gesagt: Geht's eine Runde ums Haus. Trinkt's ein Achterl. Geht's wieder eine Runde ums Haus. Trinkt's noch ein Achterl.“)

Nebenbei ist mein Geburtstag in diese seltsame Woche gefallen, falls Ihnen das bevorsteht: Nicht so schlimm. Man kann zwar keine große Party feiern, und auch keine kleine, aber schön war es trotzdem. Weil die wichtigsten Dinge – Kuchen, Kinderzeichnung und ein Achterl (oder zwei) – auch so gehen. Und weil die Kollegen und Freunde Fotos und Videos mit Geburtstagswünschen geschickt haben. (Danke!) In Zeiten wie diesen freut man sich darüber tatsächlich irrsinnig. Kann man übrigens auch ohne Geburtstag machen. In diesem Sinn: Bleiben Sie zu Hause. Und gesund.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.03.2020)