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Formel 1

Im Rückspiegel: Die Legende Ayrton Senna

Ayrton Senna
(c) Franz Pammer
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Heute hätte Ayrton Senna seinen 60. Geburtstag gefeiert, die brasilianische PS-Ikone bleibt unvergessen. Was er erreichen hätte können? "Wenn er nicht gestorben wäre, wäre er heute vielleicht Präsident Brasiliens", sagte Adrian Newey.

Sao Paulo. Ayrton Senna bleibt unvergessen, obwohl die PS-Ikone seit fast 26 Jahren tot ist. Er starb am 1. Mai 1994 im Alter von nur 34 Jahren beim GP von Imola, einen Tag nach dem Salzburger Roland Ratzenberger.

In Sao Paulo, in ganz Brasilien würden sie sich mit ihm freuen. Erst recht in diesen schweren Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Senna konnte Menschen glücklich machen, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Er war ein Charismatiker, der im Formel-1-Auto aber auch kompromisslos sein konnte - und es vor allem war.

Immer gewinnen, um jeden Preis

"Wenn er nicht gestorben wäre, wäre er heute vielleicht Präsident Brasiliens", sagte Adrian Newey einmal. Der Brite ist fast Sennas Jahrgang. Newey ist mittlerweile 61 Jahre alt, er ist der Design-Guru der Motorsport-Königsklasse, der damals auch den Wagen entworfen hatte, in dem Senna in Imola am schwarzen Wochenende der Formel 1 verunglückt war. Nicht nur die Rennserie stand unter Schock, ein ganzes Land war bestürzt vom Tod des Piloten, der 1988, 1990 und 1991 im McLaren den WM-Titel geholt hatte.

Er hatte ein "schlechtes Gefühl"

Senna konnte 41 Rennen bei 161 Starts gewinnen. 65 Mal stand der Südamerikaner auf der Pole Position. Auch, als für ihn das letzte Mal die Roten Ampeln ausgingen und Senna am liebsten gar nicht angetreten wäre. Seine damalige Freundin Adriane Galisteu erzählte, er habe ein "ganz schlechtes Gefühl" für das Rennen gehabt. Der Unfalltod am Tag vorher von Roland Ratzenberger und der schwere Crash von Sennas Landsmann Rubens Barrichello beim Trainingsauftakt des Grand Prix in Imola hatten die Lichtgestalt der Szene schwer getroffen.

Rennarzt Sid Watkins hatte Senna sogar nach eigener Schilderung überreden wollen, sofort zurückzutreten. "Was willst du noch beweisen?", habe er Senna gefragt. Senna startete, verunglückte in der Tamburello-Kurve und starb. 

Immer, als er "pushte"

"Er hat das Rennfahren als Metapher für das Leben gesehen und er hat es genutzt, um sich selbst zu entdecken", schreibt die Formel 1 auf ihrer Homepage über Senna. "Faszinierend" sei diese Suche für ihn, sagte Senna einmal. "Jedes Mal, wenn ich pushe, entdecke ich mehr, jedes Mal." Des gefährlichen Widerspruchs war sich Senna bewusst. "In dem Moment, in dem du der Schnellste geworden bist, bist du auch enorm zerbrechlich. Im Bruchteil einer Sekunde kannst du weg sein." Extreme zwischen Leben und Tod, die für Senna ein Weg zur Selbstfindung und Selbsterkundung waren.

Sennas Titel und Siegbilanz sähen sicher anders aus, hätte sich dieses grauenvolle Wochenende in Imola nicht ereignet. Senna war einer, der die Grenzen verschob. Seinen lang ersehnten ersten Sieg beim Heimrennen schaffte er 1991 in São Paulo trotz schwerster Krämpfe. Senna konnte die letzten Runden nur noch im sechsten Gang fahren, das Getriebe im McLaren war hinüber. "Wenn man von 300 auf 70 Stundenkilometer herunterbremst, ohne herunterschalten zu können, dann schiebt der Motor mit voller Leistung weiter. Ich wollte schon aufgeben und wäre mehrmals beinahe abgeflogen..."

(Fin/dpa)