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Noch nie so viele Tote an einem Tag in Italien

Cremona. Samaritan s Purse American NGO with the help of the Italian Air Force performs the final preparations for the
Über 1000 Menschen liegen in der Provinz Lombardei in der Intensivstation.imago images/Independent Photo A
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Auch in der italienischen Provinz Lombardei gibt es einen neuen traurigen Rekord an Todesopfern. Rund 250 Bürgermeister fordern nun einen kompletten Shutdown von Premier Conte.

Die Zahl der Coronavirus-Todesopfer und der Infizierten in Italien ist erneut rasant angestiegen. 793 Todesopfer wurden am Samstag in ganz Italien gemeldet - so viele wie nie zuvor binnen eines Tages. Die Bilanz der Todesopfer kletterte damit auf 4825 Personen, teilte der Zivilschutz in Rom mit. Die Zahl der Infizierten stieg auf 42.681.

Die meisten Todesopfer gab es weiterhin in der Lombardei, der von der Coronavirus-Epidemie am stärksten betroffenen italienischen Region. Dort starben um 546 Personen mehr als am Tag zuvor. Damit kletterte die Zahl der dortigen Todesopfer seit Beginn der Epidemie am 20. Februar auf 3095. Auch dort war die Zahl der Toten bisher an einem Tag so stark gewachsen.

Wie der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera in Mailand mitteilte, stieg die Zahl der Infizierten an einem Tag um 3251 auf insgesamt 25.515 Personen. 8258 Menschen liegen im Krankenhaus, 1093 Personen befinden sich auf der Intensivstation.

"Die Experten hatten uns gesagt, dass der 13. und der 14 Tag nach dem Inkrafttreten der restriktiven Vorbeugungsmaßnahmen die härtesten sein würden, und sie hatten Recht. Die Zahlen bezeugen, dass die Epidemie stark wächst", sagte Gallera.

Der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala rief in einem Video seine Mitbürger zum Durchhalten in Zeiten der Coronavirus-Krise auf. Mailand sei bisher nicht so stark wie andere Städte der Lombardei von der Seuche betroffen, doch auch in der lombardischen Hauptstadt wurden 4672 Infizierte gemeldet. "Wir müssen durchhalten, denn der Zusammenbruch einer Stadt mit 1,4 Millionen Einwohnern wäre ein Desaster für das Gesundheitssystem", so Sala.

Bürgermeister fordern kompletten Shutdown

Noch drastischere Maßnahmen fordern 243 Bürgermeister in der stark betroffenen Provinz Bergamo. Sie haben in einem Appell an Premier Giuseppe Conte für eine komplette Ausgangssperre in der Region Lombardei plädiert. Es sei der einzige Weg, um eine Tragödie zu stoppen, heißt es in dem Appell. Die Provinz Bergamo ist zusammen mit Brescia die am stärksten von der Epidemie betroffene Gegend Italiens.

Bergamo Coronavirus - the army intervenes to move the bodies from the main cemetery of Bergamo
In Bergamo wurde das Militär eingesetzt, um Särge zum Friedhof zu bringen.via REUTERS

Die Provinz Bergamo erlebe das Drama einer ganzen Generation von Männern und Frauen, die sterben, ohne, dass man sie auf würdevolle Weise bestatten könne. Die Bürgermeister forderten "zwingende Maßnahmen", um die Bevölkerung zur Einhaltung der Quarantäne zu bewegen. Zu viele Ausgangsmöglichkeiten seien noch erlaubt.

Die Bürgermeister seien sich darüber bewusst, dass ein kompletter Shutdown gravierende wirtschaftliche Folgen hätte. In der jetzigen Phase sei die Rettung von Menschenleben jedoch wichtiger als die Wirtschaft.

Auch die Ärztekammer der norditalienischen Regierung Piemont urgierte die Regierung zu weiteren restriktiven Maßnahmen. Ansonsten könne man eine weitere Verbreitung des Coronavirus nicht verhindern. "Wir sind am Ende unserer Kräfte. Es fehlen Betten auf den Intensivstationen. Einige Kollegen sind einfach verzweifelt", hieß es im Schreiben der Ärztekammer. Im Piemont wurden bisher 238 Covid-Todesopfer gemeldet.