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Walk of Häme

Text ganz ohne das C-Wort

Oder: Warum ein Meter Abstand fast immer gut ist und welche Masken es schon gibt.

Das gute alte „Jetzt hätte ich dich fast nicht erkannt“ bekommt dieser Tage einen ganz neuen Drall. Es geht nicht um eine neue Brille, Frisur oder Bartvariante, die das Gegenüber bis zur Unkenntlichkeit verändert hätte. Auch nicht um den Umstand, dass der Zahn der Zeit in den 18 Monaten seit der letzten Begegnung besonders heftig am Bekannten genagt hätte. Nein, sondern hinter so mancher furchterregenden Schutzmaske steckt dann doch ein bekanntes Gesicht. Plaudern tut man übrigens besser das nächste Mal.

Die Ein-Meter-Abstand-Regel, die gerade propagiert wird, um Ansteckungen zu vermeiden, sollte übrigens auch in Nichtkrisenzeiten normal sein. Näher als eineinhalb Meter sollte man nämlich nach der allgemeinen Lehre von den sozialen Distanzzonen Menschen ohnehin nicht kommen, mit denen man nicht wirklich eng ist.

Bei den Schutzmasken fällt auf, wie viele unterschiedliche Modelle es da gibt: ganz harte, eng anliegende unter denen man atmet wie Darth Vader und wohl nach mehr als zehn Minuten ohne Frischluft völlig ohne Virus den Erstickungstod stürbe; schlampig-flatternde Masken, die außerhalb der Gefahrenzone oft lässig an einem Ohr herunterhängend getragen werden, wie der Chefarzt in der Krankenhausserie es tut, wenn er kurz wegen etwas sehr Dringendem die OP verlässt; recht knappe rüsselförmige Masken, die viel Gesichtshaut zeigen und nur die Mund und Nase verschließen; XXL-Masken, die kaum die Augen freilassen. Die einzigen, die immer noch keine Masken zu haben scheinen, sind die armen Menschen an den Supermarktkassen.

Hoffentlich dauert die Ausnahmesituation nicht so lang, dass die Differenzierung bei den Masken einsetzt, wie bei den Craftbeersorten. Designerschutzmasken, selbst genähte Modelle, Masken aus Fair-Trade-Produktion, Masken zu 100 Prozent biologisch abbaubar, Masken von Nike, Gucci und Apple wären wohl schneller da, als man schauen könnte.

Von den infizierten Prominenten stechen zwei Fälle hervor. Tom Hanks, der ja so ziemlich der Prominenteste ist, den es gibt. Um ihn machen wir uns keine Sorge, er hat schon anderes überstanden. Wir sagen nur: Wilson. Auch Friedrich Merz ist in Quarantäne. Das könnte nach Genesung im Kampf um den CDU-Vorsitz von Vorteil sein: eine Parteitagsrede ohne Maske kommt einfach besser.

florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2020)