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Boris und der Blitzkrieg

Die Welt erklärt dem Virus, das aus China kam, den Krieg – voran die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs.

Trump, Macron & Co. gerieren sich als Kriegspräsidenten, als Kriegsherren im Kampf gegen den „unsichtbaren Feind“. Liegt ihnen das Martialische und das Kriegspathos womöglich im Blut und in den Genen?

Eine Nation aber tut sich besonders hervor: Großbritannien, Mutterland des Empire. Und so macht auf der Insel das Wort vom „Blitzkrieg“ die Runde, das Londons Gazetten bei jeder Gelegenheit aus der Mottenkiste kramen. Hochkonjunktur hat es, wenn es im Fußball gegen die „Krauts“ aus „Germany“ geht. Dass der Blitzkrieg im Elferschießen zumeist zugunsten des früheren Erzfeinds vom Festland ausgeht, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

Die Metapher, die die gespaltene Brexit-Nation hinter der Queen und Premier Boris Johnson einen soll, ist zu schön, um heute noch wahr zu sein. Die Queen, bald 94 und im Zweiten Weltkrieg als Mechanikerin im Hilfseinsatz, hat sich auf Schloss Windsor zurückgezogen. Johnson bunkert sich derweil in der Downing Street ein, um Winston Churchill nachzueifern. „Blut, Schweiß und Tränen?“ Statt Panzer rollen diesmal Spitalbetten, statt Generälen und Soldaten stehen Ärzte und Schwestern an der Front. Trost spendet da indes die Liverpool-Hymne „You'll never walk alone“. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2020)