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„Muttis“ Küchenkabinett

Ob der Proviant notfalls für 14 Tage Heimquarantäne für einen Zweipersonenhaushalt reicht?

Gemüse, Feinkost, Seife, zwei Packungen Klopapier, vier Flaschen Wein: Der Einkaufswagen, den Angela Merkel am späten Freitagnachmittag durch einen Supermarkt in Berlin-Mitte schob, quoll nicht über wie bei vielen anderen. Einen Hamsterkauf muss sich die Kanzlerin wahrlich nicht vorwerfen lassen. Aber zu dem Zeitpunkt wusste sie auch noch nicht, dass der Arzt, der sie kurz zuvor prophylaktisch gegen Pneumokokken geimpft hatte, das Coronavirus in sich trug.

Im Jahr 15 ihrer Kanzlerschaft regiert Merkel die Republik vorerst von zu Hause aus, von ihrer Wohnung am Kupfergraben vis-à-vis vom Pergamonmuseum. Ihr Mann, der Chemiker und Wagnerianer Joachim Sauer, braut ihr mittags ein Süppchen und zwischendurch einen Tee. Bei den Videokonferenzen, bei denen Minister und Ministerpräsidenten zugeschaltet sind, hilft er ihr überdies, Schreiduelle zwischen den Streithanseln Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) mit Wagner-Opern zu überdröhnen. Der Walkürenritt hat noch jeden erzittern lassen.
„Mutti“, wie manch Jüngere in der CDU sie nennen, hat also alle und alles fest im Griff. Und in ihrem Küchenkabinett hat sie als Pyjama-Kanzlerin ohnehin ganz allein das Sagen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com