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Ohne Hilfe stehen viele Start-ups vor dem Aus

Kündigen oder auf Kurzarbeit hoffen? Gerade für kleinen Unternehmen ist das eine schwere Entscheidung, denn ihnen fehlt die Liquidität, die Zeit zu überbrücken, bis Geld vom AMS und vom Hilfspaket ankommt.

Wien. „Ich habe keine Ahnung wie wir das schaffen sollen”, sagt Hannah Lux, Geschäftsführerin des Gastronomie-Start-ups Vollpension, zur „Presse”. Das Generationscafé beschäftigt viele Pensionisten und ist für seinen Oma-Kuchen bekannt. „Wir haben zwar jetzt das Frühwarnsystem aktiviert, aber wollen möglichst alle in Kurzarbeit halten”, beteuert Lux.

Doch viele Omas und Opas bessern dort ihre Pension als geringfügig Angestellte auf. Sie fallen nicht in das Hilfsmodell der Kurzarbeit. Ob es eine andere Lösung gibt, ist noch ungewiss. Es herrscht Unsicherheit. Mehrere Unternehmer berichten der „Presse”, dass sie telefonisch kaum mehr beim AMS durchkommen.

Selbst wenn, ist es unklar, wie zeitnah Hilfe vom AMS eintrifft. Die Auszahlung an die Firmen kann bis zu 90 Tage dauern. Bis dahin müssen Gehälter und Lieferanten bezahlt werden und das ohne Umsatz. „Ein kleines Unternehmen hat nicht die Liquidität, um das zu überbrücken”, warnt Lux.

Damit stehen viele Unternehmer und Start-ups vor einer spieltheoretischen Entscheidung: Bei der Bank einen Kredit aufnehmen und hoffen, dass der Antrag auf Kurzarbeit durchkommt? Oder Leute kündigen? Das 38 Milliarden schwere Hilfspaket der Bundesregierung sieht neun Milliarden für Garantien und Haftungen für Kredite vor.

Einem Viertel der Start-ups droht die Pleite

Doch Berthold Baurek-Karlic, Geschäftsführer des Venionaire, sieht auch bei der Überbrückungsfinanzierung Probleme. „Die meisten Start-ups sind im Rahmen des Unternehmenreorganisationsgesetzes mit einer zu kleinen Eigenkapitalbasis ausgestattet oder sind in ihrer Wachstumsphase häufig negativ”, sagt der Investor, dessen Venture Capital Fonds sich auf Start-ups fokussiert. Daher würden die meisten Start-ups keine Chance auf einen Kredit haben.

Die Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck reagiert öffentlich auf die hoch kochende Diskussion in der Investoren-Szene: “Sollten die Voraussetzungen für einen Bankkredit bei einem Start-up nicht gegeben sein, ist ein staatlicher Kredit ebenso nicht geeignet, da es dazu wiederum sämtliche bankenregulatorischen Anforderungen zu erfüllen gilt.”

„Uns drohen Zombie-Start-ups"

Auch Privatkapital ist derzeit schwer zu bekommen, denn Investoren halten sich zurück und warten ab. In Österreich wurden seit 2008 mehr als 2200 Start-ups gegründet, heißt es im Austrian Startup Monitor für 2019. Demnach umfasst der gesamte Sektor mittlerweile etwa 17.500 Beschäftigte.

Wenn kein privates und kein institutionelles Kapital mobilisiert werden könne, fürchtet Baurek-Karlic, dass ein Viertel der Start-ups pleite geht. Etwa die Hälfte dürften es schwer haben nach der Krise wieder auf die Beine zu kommen. “Uns drohen Zombie-Start-ups, die gerade so überlebensfähig sind aber nicht wachsen”, warnt der Investor. 

Inzwischen würden sich aber schon ausländische Investoren in Österreich umschauen und Kaufinteresse an insolvenzgefährdeten Firmen äußern. “Wir haben die ersten Heuschrecken aus Russland, China, England und den USA”, verrät Baurek-Karlic.

Bestehende Förderungen von FFG, AWS oder der Wirtschaftsagentur sind oft an Umsatzziele gekoppelt. Das AWS sei sich der aktuellen Situation bewusst. „In den Programmen, die sich bei der Auszahlung auf definierte Meilensteine stützen, können die Ziele natürlich der aktuellen Situation angepasst werden”, beruhigt AWS-Sprecher Matthias Bischof gegenüber der „Presse”.

Nur ein kleiner Lichtblick: Härtefallfonds

Ein Lichtblick könnte der Härtefallfonds in Höhe von einer Milliarde Euro sein, der von der WKO abgewickelt wird. Allerdings zielt er nur auf Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von bis zu zwei Millionen Euro ab. Viele Start-ups beschäftigen mehr Personen.

Die Konsequenz daraus werde sein, dass die Betriebe bis zum Stichtag, den 31. März, durch Kündigungen schrumpfen, warnt Baurek-Karlic. Die Kündigung mit einer Wiedereinstellungszusage sei für viele die einzige Alternative. Doch was passiert mit Mitarbeitern auf einer Rot-Weiß-Rot-Karte? Die nach Österreich geholten Fachkräfte müssten das Land wieder verlassen.

Daher fordert er einen Rettungsschirm für Start-ups. Ihm schwebt eine Co-Finanzierung im Eilverfahren ohne Prüfung vom Staat vor, wenn beaufsichtigte Venture Capital Fonds in Österreich investieren. Weiters solle der Staat 500.000 Euro als Substanzgenussrecht dazugeben, wenn ein Unternehmen 500.000 Euro oder mehr bereits an staatlichen oder privaten Förderungen erhalten hat. „Das wäre besser als ausländische Hedgefonds."

Die Start-ups zeigen sich kämperisch. „Es ist der Wille da anzupacken“, sagt Markus Raunig, Chef von Austrian Startups, zur „Presse“. Im nächsten Hackaton „Hack the crisis Austria“ tauschen sich Start-ups über Lösungen für die derzeitigen Probleme aus. Auch Lux fordert: „Wir als Gesellschaft im Gesamten müssen eine Lösung finden. Jeder wird Abstriche machen müssen.“

(mad.)