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Coronavirus

100-Millionen-Euro-Paket für Pflege im Minimalbetrieb

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Die Corona-Krise bedeutet für den ohnehin schon prekären Pflegebereich eine weitere Herausforderung. (Symbolbild)APA/HELMUT FOHRINGER
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Durch die Corona-Krise fallen Pflegekräfte aus dem Ausland weg. Die Regierung sucht nach Lösungen, 100 Millionen Euro stehen bereit. Zivildiener sollen einspringen.

Die Folgen der Corona-Krise für den Pflegebereich sind noch nicht ganz abschätzbar. Aufgrund der Einreisebeschränkungen werden tausende Pflegekräfte aus dem Ausland wegfallen; wie viele es genau sein werden, weiß man an offizieller Stelle offenbar noch nicht. Die Regierung versucht, einen Pflegenotstand abzuwenden, indem die Länder zusätzliche stationäre Plätze schaffen und die mobilen Dienste verstärken.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) informierten am Dienstag über den aktuellen Stand der Dinge. In Kooperation mit den Ländern habe man ein Konzept aufgestellt, "um Notsituationen zu bewältigen und damit niemand allein gelassen wird", sagte Anschober.

„Das ist eine Herausforderung“ 

Betroffen sind potenziell Hunderttausende. Derzeit gibt es 460.000 Pflegegeldbezieher. 100.000 werden stationär versorgt, 153.000 über mobile Dienste, 175.000 werden zuhause gepflegt, 33.000 beziehen eine 24-Stunden-Betreuung. "Das ist eine Herausforderung", so Anschober. Man habe ein Maßnahmenpaket geschnürt für Ersatzbetreuungsangebote, es werde aber "nicht möglich sein, in allen Fällen die bestehende Pflege aufrechtzuerhalten". "Das Ziel ist, Notsituationen abzuwenden und niemanden allein zu lassen."

Konkret werden bestehende Reserven in der stationäre Pflege ausgebaut und neue Kapazitäten in Kur- und Rehakliniken aufgebaut. Die mobilen Dienste werden ausgebaut und Zivildiener zur Verstärkung herangezogen, wobei letzte nur für die Basisversorgung herangezogen werden und keine ausgebildeten Pflegekräfte ersetzten können. Diverse Richtlinien und Vorschriften werden flexibilisiert und gelockert.

Köstinger rechnet mit rund 15.000 Zivildienern

Rund 1500 aktuelle Zivildiener, die Ende März mit dem Dienst fertig wären, werden um drei Monate verlängert bzw. versetzt. Zivildiener in Einrichtungen, die geschlossen sind oder keinen Bedarf haben, werden in Einrichtungen versetzt, wo Unterstützung gebraucht wird.

Zusätzlich haben sich 2000 Freiwillige ehemalige Zivildiener gemeldet. Mit diesen drei Maßnahmen stehen mit 1. April rund 3500 Zivildiener zusätzlich zur Verfügung. Gemeinsam mit den über 11.100 Zivildienern, die derzeit ordentlichen Dienst leisten, seien das rund 14.600 Zivildiener, rechnete Köstinger vor. Einrichtungen und Personen, die Unterstützung brauchen, müssen ihren Bedarf an Zivildienern bei der jeweiligen Landesstelle des Roten Kreuzes melden.

"Die Situation im Pflege-Bereich verschärft sich täglich. Wir unterstützen die ausgebildeten Pflegekräfte und hauptamtlichen Betreuer durch einen 'Assistenzeinsatz' unserer außerordentlichen Zivildiener", so Köstinger.

„Für Betroffene sehr verwirrend“ 

Wie viele Betreuungskräfte aus dem Ausland wegfallen werden, weiß man offenbar noch nicht ganz genau. Derzeit sei der "überwiegende Teil noch da", sagte Anschober, "aber es wird der Tag X kommen". Die Regierung rechnet damit, dass viele nach Hause fahren werden. Wie viele aus dem Ausland nach Österreich kommen werden, ist noch ungeklärt.

Wie kompliziert die Lage ist, zeigte eine Aufzählung Anschobers, wonach Arbeitskräfte aus Rumänien nicht kommen können, weil sie in Ungarn nicht durchkommen. Bulgaren können mit dem Flugzeug kommen, Kroaten können über Slowenien einreisen, wenn sie dort keinen Zwischenstopp machen. Ungarn können einreisen. "Es ist sehr unterschiedlich und für die Betroffenen sehr verwirrend", so Anschober. Das Außenministerium arbeite aber daran, Ausnahmeregelungen zu schaffen.

(APA)