Mongolei & Co.
Der Boom der Exoten-Börsen
Ungewöhnliche Börsenplätze stellen die Wall Street in den Schatten. Sie wachsen schnell, sind aber Orte der Extreme: An manchen Tagen wird nicht einmal gehandelt, der Zugang ist beschränkt. Ein Überblick.
Ghana sorgte bei der Fußball-WM mit dem Viertelfinal-Einzug für Furore. Doch nicht nur am grünen Rasen boomen die Exoten.Ghana war im ersten Halbjahr 2010 mit einem Wachstum von 38 Prozent eine der erfolgreichsten Börsen weltweit. Im folgenden ein Überblick über ungewöhnliche Börsenplätze, die den Highspeed-Handel der New Yorker Wall Street verblassen lassen.
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Die Börse in Accra, der Hauptstadt von Ghana, steht laut "Handelsblatt" für Extreme.An manchen Tagen wird gar nicht gehandelt, manchmal liegt der Börsenumsatz gerade einmal bei 10.000 US-Dollar. Entsprechend groß sind dann die Ausschläge, in die eine wie die andere Richtung.
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Noch erfolgreicher als Ghana war am Börsenparkett das bevölkerungsreichste Land Afrikas: Nigeria. Im ersten Halbjahr 2010 wurde ein Plus von 42 Prozent erzielt.Das Land profitiert vor allem vom Rohstoffboom. Das in Nigeria entstandene Machtvakuum und die komplett gefeuerte Regierung hatten bisher keine Auswirkungen auf die Börse.
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Die wirtschaftliche Entwicklung hat sich offenbar von der politischen abgekoppelt. Mutigen Anlegern bietet Nigerias Aktienmarkt laut "Financial Times Deutschland" Chancen. Die angeschlagenen Banken des Landes hätten sich gefangen, die Wirtschaft wachse - und die Bewertung des Aktienmarktes sei attraktiv.Ein Experte bezeichnet Nigeria als attraktivsten unter den sogenannten "Frontier-Markets".
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3sat spricht im Zusammenhang mit dem Börseplatz in Kenia vom "Champion in Ostafrika". Das Niveau sei niedrig, das Wachstum hoch, die Bevölkerung sehr jung, die Abhängigkeit vom strauchelnden Westen gering. Es gebe schlechtere Voraussetzungen. Tatsächlich haben die kenianischen Aktien im ersten Halbjahr 2010 um 45 Prozent zugelegt.
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Der letzte Handelstag ohne Computersystem liegt übrigens nicht weit zurück. 2006 wurde der letzte Tag des "Outcry"-Handels gefeiert.Kenia investiert in das Straßen- und Schienennetz und will auch den Schiffsverkehr ausbauen, um seine Exportgüter Blumen, Tee und Kaffee zu fördern.
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Investmentbanker zählen Bangladesch zur Liga der wirtschaftlichen Hoffnungsträger. "Goldman Sachs steht auf Bangladesch", schrieb das "Handelsblatt" Ende 2009. Bangladesch zählt zwar nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt und wird regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht, blieb jedoch von der Weltrezession verschont.
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Zu den Boombranchen des Landes an der Gangesmündung gehört vor allem der Mobilfunk. Neue Exportbranchen wie der Schiffbau drängen auf die Weltmärkte.Das Wachstum der Börse in Dhaka betrug im ersten Halbjahr 2010 rund 58 Prozent.Im Bild: Der letzte "Outcry"-Handelstag im Jahr 1998.
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Im August 2009 empfahl der renommierte Investor Jim Rogers Aktien aus Sri Lanka.Die Börsenbetreiber sind bemüht, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. So ist der Markt für Ausländer laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" frei zugänglich. Nur bei den Banken seien die Einstiegsmöglichkeiten auf 10 bis 15 Prozent der Aktien beschränkt.
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Der Colombo-All-Shares-Index ist im ersten Halbjahr 2010 um rund 60 Prozent gewachsen.Über die Einführung von Derivaten und börsegehandelten Fonds wird nachgedacht. Ein Vorteil für Investoren: In Sri Lanka werden keine Kapitalgewinnsteuern erhoben.
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Die momentan erfolgreichste aller Exoten-Börsen ist aber in der Mongolei zu finden. Der MSE Top 20-Index hat sich unter den hundert größten Aktienindizes weltweit mit einem Plus von rund 85 Prozent im ersten Halbjahr 2010 am besten entwickelt.Damit wird die Mongolei auch für Investoren und Börsianer immer interessanter - trotz einer geringen Marktkapitalisierung von 470 Millionen Euro.
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Zumal sich die mongolische Steppe als eine wahre Schatzkammer entpuppt: Dort lagern Kupfer, Eisenerz, Gold, Kohle und andere wertvolle Rohstoffe.So sorgten Ivanhoe Mines und Rio Tinto für Aufmerksamkeit: Sie wollen die Oyu Tolgoi-Mine (im Bild) erschließen. Dort lagern riesige Mengen an Kupfer und Gold.
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Der Aktienhandel ist allerdings noch nicht richtig entwickelt. Es gelten Zugangsbeschränkungen für Investoren. Es werden nicht einmal Zertifikate oder börsengehandelte Fonds angeboten, die Anlagen in der Mongolei überhaupt ermöglichen.Und: Aktienhändler kleiden sich häufig noch in traditioneller Kleidung mit Fellmützen und Lederstiefeln.
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