Schnellauswahl
Virus an Bord

Die Irrfahrten der Kreuzfahrtschiffe in der Coronaviruskrise

Die "Zaandam" war in Chile nicht willkommen.
Die "Zaandam" war in Chile nicht willkommen.APA/AFP/CLAUDIO MONGE
  • Drucken
  • Kommentieren

Australien verweigert drei Schiffen die Anlandung. Das Bespiel Sydney sollte sich nicht wiedholen. In Südamerika warfen Menschen sogar mit Steinen gegen ein Kreuzfahrtschiff. 34 Österreicher hatten mehr Glück, sie konnten in Italien von Bord.

Kreuzfahrtschiffe als Verteilexpress des Coronavirus? Das Phänomen ist seit dem Schicksal der „Diamond Princess“ in Japan im Februar bekannt. Und so treiben derzeit mehrere der schwimmenden Hotels weltweit auf den Meeren - gestartet bevor die Krise so richtig ernst machte - und ist auf guten Willen der Häfen angewiesen. Doch viele verweigern ein Anlegen. Vor der Westküste Australiens suchten am Mittwoch drei Kreuzfahrtschiffe mit tausenden Passagieren an Bord nach Anlegemöglichkeiten.

"Wir werden den Passagieren und der Besatzung unter keinen Umständen erlauben, die Straßen unseres Staates zu betreten", sagte Westaustraliens Regierungschef Mark McGowan. Zu den Schiffen zählen die "Magnifica" und die "Artania", die vor Fremantle in Westaustralien ausharren. Auch das Schiff "Vasco de Gama" ist derzeit dorthin unterwegs.

Die "Magnifica" mit rund 1700 Passagieren an Bord war am Dienstag nach der Erlaubnis zum Auftanken in Fremantle aufgebrochen, musste aber umkehren, nachdem Dubai ein Anlegen untersagte. An Bord der "Artania" wurden einige der mehr als 800 Passagiere auf eine Coronavirus-Infektion getestet, nachdem 25 Menschen über Atemwegserkrankungen klagten.

Schlechte Erfahrung mit Anlege-Erlaubnis in Sydney

McGowan verwies auf eine Coronavirus-"Katastrophe" in Australien, nachdem ein Kreuzfahrtschiff vergangene Woche in Sydney angelegt und Passagiere von Bord gelassen hatte. Danach wurden rund 133 Infektionsfälle und ein Todesopfer gemeldet. "Wir haben gesehen, was im Hafen von Sydney passiert ist, es war ein komplettes Desaster", sagte McGowan.

In Westaustralien wird ein Viertel der Coronavirus-Fälle mit der Ankunft von Kreuzfahrtpassagieren in Verbindung gebracht. In ganz Australien werden derzeit knapp 2400 Fälle und acht Tote gemeldet.

Kreuzfahrtschiff vor Chile mit Steinen beworfen

Auch vor der Pazifikküste Südamerikas hoffen mehr als 1.800 Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Zaandam" verzweifelt darauf, von Bord gehen zu können. 42 von ihnen haben grippeähnliche Symptome und stehen an Bord unter Quarantäne. Ein australischer Passagier berichtete auf Facebook, ein anderes Schiff sei beim Anlegen im südchilenischen Punta Arenas mit Steinen beworfen worden.

Nach chilenischen Angaben durften in Chile bisher acht Chilenen der "Zaandam" sowie aus humanitären Gründen auch zwei Franzosen von Bord gehen. Alle anderen müssen als Vorsichtsmaßnahme in ihren Kabinen bleiben. Das Schiff will nun seinen Zielhafen Fort Lauderdale im US-Staat Florida ansteuern, bangt aber, überhaupt eine Passiergenehmigung für den Panama-Kanal zu bekommen.

Österreicher in Civitaveccia gelandet

Besser erging es 34 österreichischen Passagieren an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Costa Victoria“. Sie sind am Mittwoch im Hafen der mittelitalienischen Stadt Civitavecchia nördlich von Rom gelandet. Dies bestätigte die Reederei Costa Crociere. Die Reederei habe die Heimkehr der Urlauber bereits organisiert, hieß es.

Die 34 Österreicher gehörten einer Gruppe von 726 Passagieren verschiedener Nationalitäten an. Auch 776 Crewmitglieder gingen von Bord. Die Passagiere mussten sich als Vorbeugungsmaßnahme in ihren Kabinen aufhalten, nachdem eine argentinische Urlauberin positiv auf Coronavirus getestet wurde und das Schiff in Kreta verlassen hatte. Die Passagiere wurden vor der Landung in Civitavecchia Gesundheitskontrollen unterzogen, berichtete die Reederei.

Die "Costa Victoria", die am 7. März von Dubai abgefahren war, hätte laut Plan am Samstag in Venedig landen sollen. Der Präsident Venetiens, Luca Zaia, hatte sich aber geweigert, dem Schiff die Landungsgenehmigung zu erteilen, aus Sorge es könnten infizierte Passagiere von Bord gehen. Auch die Verantwortlichen im Hafen Triest hatten betont, dass man nicht bereit sei, das Schiff aufzunehmen.

Bedenken wegen der Landung des Schiffes hatte auch der Bürgermeister von Civitavecchia, Ernesto Tedesco, erhoben. Nach Gesprächen mit der Reederei wurde dann trotzdem die Genehmigung erteilt. Die in Genua beheimatete Reederei Costa Crociere hat bis zum 30. April alle Kreuzfahrten abgesagt.

„Diamond Princess“ desinfiziert

Doch zurück zum Fall eins, dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess“, auf dem sich das Coronavirus besonders stark ausgebreitet hatte. Das Schiff konnte den japanischen Hafen Yokohama mittlerweile verlassen. Die Desinfektion sei abgeschlossen, sagte ein örtlicher Behördenvertreter am Mittwoch. Wohin das Schiff nun Fahrt aufnahm und wie viele Besatzungsmitglieder noch an Bord sind, sagte er nicht.

Die "Diamond Princess" hatte im Februar für Schlagzeilen gesorgt, nachdem sich 712 Menschen an Bord mit dem Coronavirus infiziert hatten und zehn Menschen starben. Zeitweise wurden dort die meisten Infektionen außerhalb Chinas registriert. Das Schiff lag zwei Monate in Yokohama - Japan wurde für die unzureichenden Quarantänemaßnahmen teils scharf kritisiert.

(APA/AFP)