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Staatspreis für den Slowenen Drago Jančar

Jančar, der in Ljubljana lebt, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Slowenien
Jančar, der in Ljubljana lebt, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Slowenien.APA/DELO/JOŽE SUHADOLNIK
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Er gilt als der bedeutendste zeitgenössische Autor seines Landes. Auch Thomas Macho wird geehrt.

2019 war Michel Houellebecq ein Ehrengast zum Auftakt der Salzburger Festspiele – er nahm dort den mit 25.000 Euro dotierten Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur in Empfang, im Jahr davor war es die Britin Zadie Smith. Wie der 71-jährige Slowene Drago Jančar zu seinem Preis kommen wird, ist noch ungewiss – doch die Auszeichnung geht heuer an ihn, das wurde am Dienstag bekannt gegeben.

Jančar, der in Ljubljana lebt, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Sloweniens, auch für seine politischen Essays ist er bekannt. Zu seinen herausragenden Romanen gehört etwa „Die Nacht, als ich sah“ (deutsche Ausgabe 2015). Es ist ein Epos voller moralischer Fragen: die Geschichte einer jungen Schlossherrin während des Zweiten Weltkriegs, erzählt aus der Sicht eines serbischen Offiziers, eines slowenischen Partisanen und eines deutschen Wehrmachts-Arztes. In seinem jüngsten Roman, „Wenn die Liebe ruht“, schildert Jančar ausgehend von einer Ansichtskarte aus dem besetzten Marburg 1943, wie der Krieg Menschen auseinanderreißt und Beziehungen tötet. Weitere bekannte Romane sind „Rauschen im Kopf“, „Der Baum ohne Namen“ oder „Der Galeerensträfling“. Jančar zeige, wie Simplifizierungen zur „Vernichtung der Menschlichkeit“ führen, begründete die Jury, der auch „Presse“-Feuilletonredakteurin Anne-Catherine Simon angehörte, unter anderem ihre Wahl.

 

Kulturpublizistik-Preis an Macho

Der mit 10.000 Euro dotierte und alle zwei Jahre vergebene Österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik geht heuer an Thomas Macho. „Wie kaum ein anderer weiß Thomas Macho die Verknüpfung menschlichen Handelns mit politischen, kunstgeschichtlichen und mythischen Narrativen sichtbar zu machen“, so die Jury.

Und noch weitere österreichische Literaturpreise wurden vergeben. Die gebürtige, heute in Deutschland lebende Kathrin Röggla erhält den mit 15.000 Euro dotierten Österreichischen Kunstpreis, sie wurde für ihre Analyse und Kritik der Gegenwartsgesellschaft gelobt. Gertraud Klemm erhält den Outstanding Artist Award für Literatur – sie habe Feminismus „erfolgreich literarisch umgesetzt“. Die Kinderbuchautorin und -Illustratorin Renate Habinger erhält den Österreichischen Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur, die Illustratorin Leonora Leitl den Outstanding Artist Award für Kinder- und Jugendliteratur. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2020)