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Kastner & Öhler

Hilferuf vom Handelskonzern: „Brauchen sofort fünf Millionen“

Kastner & Öhler in der Grazer Innenstadt.
Kastner & Öhler in der Grazer Innenstadt.(c) imago/CHROMORANGE (imago stock&people)
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Der österreichische Handel stehe vor dem Kollaps, warnt Martin Wäg, Vorstandschef der Handelskette Kastner & Öhler.

Wien. „Wir waren geduldig, aber es geht uns die Zeit aus“, sagt Martin Wäg. Er ist Vorstandschef von Kastner & Öhler, dem größten Mode- und Sportunternehmen in österreichischem Besitz. Das Flaggschiff steht in der Grazer Innenstadt, österreichweit hat das Unternehmen 34 Filialen. Dazu gehören auch 16 Filialen des Sporthändlers Gigasport. Wäg ist Firmenchef und Mitglied der Eigentümerfamilie. Er appelliert an die Regierung, die zugesagten Finanzhilfen rasch zu den Betrieben zu bringen. Die Lager seien voll und die Rechnungen fällig. Nächste Woche seien Gehälter und Mieten zu zahlen. „Wir benötigen akut und sofort fünf Millionen Euro als Feuerlöscher.“ Sonst stehe man nächste Woche vor der Insolvenz.

 

Eine Mrd. Euro weniger Umsatz

Konkret geht es um Haftungen vom Bund für Überbrückungskredite. Die Banken brauchen sie, damit sie Kredite freigeben können. Wäg spricht stellvertretend für seine Branche: „Der österreichische Handel steht kurz vor dem Kollaps.“ Wenn die Hilfen nicht bis Ende dieser Woche stehen, könnte binnen weniger Tage die Hälfte der österreichischen Handelsbetriebe insolvent sein, sagt Wäg.

Seit 16. März sind die Geschäfte in Österreich – bis auf jene des täglichen Bedarfs – geschlossen. Laut Schätzungen der KMU Forschung Austria entging dem stationären Einzelhandel in der ersten Woche der Maßnahmen eine halbe Mrd. Euro an Umsätzen. Hochgerechnet ergebe das für März eine Milliarde Euro Minus, sagte Karin Gavac von der KMU Forschung zur APA. Der Entfall werde noch größer werden, weil der April in der Regel ein starker Monat sei, in dem etwa Frühjahrsbekleidung verkauft werde. Gavac erwartet, dass ein Teil des Umsatzes aus dem Internethandel eingehen werde.

 

1900 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Auch bei Kastner & Öhler habe sich das Geschäft im Internet in den vergangenen Tagen schön entwickelt, sagt Vorstandschef Martin Wäg. „Aber das kann den Umsatzentfall im stationären Geschäft nicht annähernd aufwiegen.“ Voriges Jahr schrieb die Kaufhauskette 283 Millionen Euro Umsatz, davon rund zehn Prozent im Internet.

Man habe alle 1900 Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet, sagt Wäg, und auch die von der Regierung ermöglichten Steuerstundungen in Anspruch genommen. Das helfe – aber das Arbeitsmarktservice zahlt die Unterstützung für die Kurzarbeit erst einen Monat im Nachhinein aus. Deshalb brauche man jetzt sofort Haftungen für Kredite. „Sonst wird unseren Banken der Boden zu heiß.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2020)