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Maßnahmenpaket

FACC will Krise umfliegen

FACC beantragt für den Großteil seiner Mitarbeiter Kurzarbeit.
FACC beantragt für den Großteil seiner Mitarbeiter Kurzarbeit.(c) imago/imagebroker (imago stock&people)
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Der Luftfahrtzulieferer wappnet sich mit Kurzarbeit, Kreditantrag und Dividendenstreichung für ungewisse Zeiten.

Wien/Ried im Innkreis. „Tausend Flugzeuge stehen am Boden“, sagt Robert Machtlinger, Chef des Luftfahrtzulieferers FACC, auf einer Online-Pressekonferenz. Er geht davon aus, dass die Coronakrise zu „spürbaren Nachfrage- und Produktionseinschränkungen“ führen wird. Die Branche sei „einer extremen Belastungsprobe“ ausgesetzt. Mittendrin versucht Machtlinger eine Balance zu finden zwischen Mitarbeiterschutz und Absicherung des Unternehmens. Somit soll ab 6. April ein Großteil der Belegschaft für drei Monate in Kurzarbeit geschickt werden.

 

Kroatien-Werk neu bewertet

Doch damit nicht genug. FACC stellt ein ganzes Maßnahmenpaket vor, um sich für die herausfordernde Zeit zu wappnen. Vor allem sollen die Kostenstrukturen der neuen Marktsituation angepasst werden. Daher wird das Investitionsbudget reduziert.

Das trifft zunächst das 33 Millionen Euro schwere Kroatien-Projekt. Der Bau des neuen Fertigungswerkes in Jakovlje werde nicht wie geplant im April 2021 starten. Zudem überlegt man, das Werk zunächst kleiner ausfallen zu lassen. Das Werk sei aber weiterhin strategisch wichtig.

An dem bereits vorab gemeldeten Geschäftsergebnis für 1. März bis 31. Dezember 2019 hält der Konzern, der sich mehrheitlich in chinesischem Besitz befindet, fest. Der Nettogewinn sank von 33,1 auf 16,3 Millionen Euro. Der Umsatz hingegen stieg um 1,8 Prozent auf 596,1 Millionen Euro. Die Neuaufträge hätten sogar ein Volumen von 800 Millionen Dollar.

 

Kreditantrag für 60 Millionen

Dennoch wurde die Dividende für das Rumpfjahr gestrichen. Das soll die Liquidität des Airbus-Zulieferers stärken. Derzeit stünden 200 Millionen Euro an Liquidität zur Verfügung. Die OeKB bietet zusammen mit der Bundesregierung ein Kreditpaket von zwei Milliarden Euro für exportorientierte Unternehmen an. FACC sei gerade dabei, einen Antrag für die mögliche Höchstsumme von 60 Millionen Euro zu stellen. Das würde ein „gewisses Finanzpolster“ geben, „um durch diese Krise gehen zu können“, sagte FACC-Finanzchef Aleš Stárek.

Eine seriöse Markteinschätzung traut sich Machtlinger vor Mitte des Jahres 2020 nicht zu. Denn die Situation ändere sich „stündlich“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.03.2020)