Nur Firmengewinne machen derzeit Hoffnung

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Die meisten Indikatoren verdeutlichen, dass die Lage auf den Aktienmärkten sehr angespannt ist. Im Sommer 2008 war die Lage ähnlich - wenige Wochen später gab es den großen Crash.

wien.Die Börsen gehen mit einer deutlichen Kursdelle in den Hochsommer. Seit April stürzte der Eurostoxx 50, in dem die größten Firmen der Eurozone erfasst sind, um 16 Prozent ab; der Wiener Leitindex ATX um 20 Prozent. Die Lage auf den Märkten ist weiterhin angespannt, wie folgende Indikatoren zeigen.


Weltwirtschaft. Europa leidet stark unter der Schuldenkrise. Die OECD prognostiziert, dass die Wirtschaft im Euroraum heuer nur um 1,2 Prozent wachsen wird. Den USA geht es nicht wesentlich besser, dort bereitet der Häusermarkt große Sorgen (siehe nächsten Punkt, Anm.). Hohe Erwartungen ruhen dagegen auf den Schwellenländern, allen voran auf China und Indien. Doch gerade aus China, der neuen Konjunkturlokomotive der Weltwirtschaft, kamen zuletzt teils enttäuschende Meldungen. Der Produktionssektor könnte nach dem Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme ins Stocken geraten.

Weitaus Schlimmeres lässt der „Baltic Dry Index“ (ein Preisindex für den Schiffstransport trockener Güter; er gilt als Frühindikator für den Welthandel und die Konjunktur) erwarten; er brach seit Mai um mehr als 40 Prozent ein.


US-Häusermarkt. Er ist das Epizentrum der Finanzkrise. Die US-Regierung und die US-Notenbank haben daher in den vergangenen zwei Jahren viel Geld ausgegeben, um den Markt zu festigen. Die Federal Reserve kaufte hypothekenbesicherte Wertpapiere im Wert von fast 1500 Mrd. Dollar auf. Die Regierung schenkte Käufern von Häusern Steuergutscheine von 8000 Dollar.

Diese Maßnahmen gibt es seit April nicht mehr – mit schwerwiegenden Folgen: Im Mai brachen die schwebenden Hausverkäufe gegenüber April um knapp 30 Prozent ein. Die Hypothekenanträge befinden sich auf dem niedrigsten Niveau seit 13 Jahren.


Europäische Schuldenkrise. Die Investoren sind weiterhin verunsichert, wodurch sie tendenziell aus risikoreichen in sichere Anlagen flüchten. Die Wirkung des 750 Milliarden Euro schweren Rettungspakets, das marode Euroländer anzapfen können, ist verpufft. Die Kurse von griechischen, portugiesischen, irischen und spanischen Anleihen sind in den vergangenen Wochen wieder gefallen; die Refinanzierung für diese Länder ist teurer geworden.

Auch die Befürchtungen, dass diese Staaten pleitegehen und die Anleihen nicht mehr bedienen können, sind zuletzt deutlich gestiegen, was an den Preisen für Credit Default Swaps zu sehen ist.

Banken/Geldmarkt. Die Banken leihen sich weniger kurzfristiges Geld. Die meisten Analysten rechnen damit, dass die Geldmarktzinsen in den nächsten Monaten steigen werden. Die Erklärung dafür ist einfach: Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt den Banken im Euroraum nur noch bis Herbst Darlehen in der gewünschten Höhe. Es wird danach für die Institute schwieriger, sich zu finanzieren.

Grund zur Hoffnung war allerdings die vorwöchige Rückholaktion der EZB, die überraschend reibungslos ablief. Dabei gaben ihr die Eurobanken 442 Mrd. Euro zurück und liehen sich kurzfristig gleich wieder 111 Mrd. Euro. Der befürchtete Liquiditätsengpass blieb aus.


Unternehmensgewinne. Die großen Hoffnungen auf steigende Aktienkurse ruhen auf den Unternehmensgewinnen. Die Zahlen für das erste Quartal 2010 waren gut. Auch für das zweite Quartal wird eine positive Berichtssaison – vor allem in den USA – erwartet. In Österreich prognostizieren Analysten, dass die Jahresgewinne der ATX-Firmen heuer zwischen 30 und 40 Prozent höher als im Vorjahr liegen werden. Aber: Im Sommer 2008 war die Lage ähnlich. Die Firmen schrieben teilweise noch Rekordergebnisse, die Manager waren optimistisch. Wenige Wochen später gab es den großen Crash.

AUF EINEN BLICK

Die Börsen sind seit April teilweise stark eingebrochen. Der Eurostoxx 50 verlor 16 Prozent, der ATX 20 Prozent. Viele Indikatoren deuten darauf hin, dass die Lage auf den Aktienmärkten angespannt bleibt.

Die große Hoffnung ruht auf den Unternehmensgewinnen. Für das zweite Quartal werden positive Ergebnisse erwartet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2010)

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