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CA Immo „hält die Krise aus“

Vorstand Andreas Quint konnte 2019 ein Rekordergebnis einfahren.
Vorstand Andreas Quint konnte 2019 ein Rekordergebnis einfahren.APA/HANS KLAUS TECHT
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Eine Eigenkapitalquote von 50 Prozent und die Ausrichtung auf Büroimmobilien machen den Vorstand zuversichtlich, die Corona-Auswirkungen in den Griff zu bekommen.

Wien. Man mag es kaum glauben. Aber es gibt selbst in Zeiten wie diesen noch gute Nachrichten von der Börsenfront. Solche hat der heimische Immobilienkonzern CA Immo am Donnerstag geliefert. Das Unternehmen konnte im abgelaufenen Jahr einen Rekordgewinn von 393,3 Mio. Euro (plus 29 Prozent) erzielen. Die Dividende soll (derzeit) von 0,90 Euro auf einen Euro je Aktie angehoben werden. Das Papier zählte an diesem Tag zu den Gewinnern im Wiener ATX.

Doch wie überall dieser Tage stellen Investoren keine Frage nach der Vergangenheit. Sie wollen wissen, was die Zukunft bringt. Das Coronavirus hat schließlich vieles durcheinandergewirbelt.

Bei der CA Immo sendete Vorstand Andreas Quint beruhigende Signale aus. Wiewohl man durchaus herausfordernde Rahmenbedingungen erwartet und die vollen Auswirkungen auf einzelne Sektoren und Regionen noch nicht abschätzen kann. Doch Quint ist davon überzeugt „dass wir zu den Unternehmen gehören, die die Krise aushalten“. Das habe vor allem mit der Mieterstruktur, der Liquidität und der Eigenkapitalausstattung des Unternehmens zu tun.

Die CA Immo ist kein Wohnimmobilienkonzern, auch der Einzelhandel ist seine Sache nicht. Das Unternehmen hat zu 90 Prozent Büros in seinem Portfolio, die praktisch voll ausgelastet sind. Der Vorstand geht davon aus, dass der überwiegende Anteil der Mieteinnahmen trotz Corona weiter fließen wird. Man werde aber auf die Nöte und Möglichkeiten seiner Mieter eingehen. Und mit dem „Besitzer eines Coffeeshops anders umgehen als mit einem Großkonzern“. Der größte Einzelmieter der CA Immo sind die Berater von PwC, sie machen 2,8 Prozent des gesamten Portfolios aus. Morgan Stanley, Google oder T-Mobile zählen ebenfalls zu den Bestandskunden.

Was dem Unternehmen nach eigenen Angaben noch zugutekommt: Dass man vor allem in guten Lagen und in Gebäuden mit entsprechender Qualität investiert sei. „Das wird sich stabilisierend auswirken.“ Der Rückzug aus kleineren Ländern oder Städten erfolgte sukzessive. In A-Lagen sei es deutlich leichter, Nachmieter zu finden. Die Leerstände seien dort deutlich geringer als auf Sekundär- oder Tertiärmärkten.

 

Liquidität vorhanden

Derzeit sind bei der CA Immo alle An- und Verkaufsaktivitäten eingestellt, die Besichtigungen von Büros nicht mehr möglich, so Quint. „Die Märkte sind in einem Ruhezustand – da ist einmal die Pausetaste gedrückt.“

Was in Zeiten wie diesen auch noch wichtig ist: Geld. In der jüngsten Krise sei dieser Faktor bei Immobilienfirmen immer ein großes Problem gewesen, so Quint. Doch sieht man sich mit einer Eigenkapitalquote von 50 Prozent gut aufgestellt. Investoren hätten in der Vergangenheit Kritik an dieser Quote geübt und zu einer höheren Verschuldung aufgefordert, um eine bessere Rendite auf das Eigenkapital zu sehen.

Zum Jahresende 2019 verfügte die CA Immo über 439 Mio. Euro an liquiden Mitteln. Hinzu kommen 400 Mio. Euro an Nettoeinnahmen aus einer Anleiheemission, die noch im Jänner über die Bühne ging. Der Verkauf der 4,9-Prozent-Anteile an der Immofinanz im vergangenen Jahr hat sich angesichts der in sich zusammengefallenen Börsenkurse auch als richtig erwiesen. „Mit unserem Liquiditätspolster könnten wir auch bei umfangreichen Mietstundungen eine sehr lange Krise problemlos durchstehen“, so Quint. Auch Erste-Analyst Christoph Schultes sieht die CA Immo gut gerüstet. Es gebe nur wenige Unternehmen, die von der Krise wenig bis gar nicht berührt sind. (nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2020)