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Trotz Corona weltweit mehr Börsengänge

Die Börse in Shanghai. Chinas Kapitalmarkt freut sich über viele IPOs.
Die Börse in Shanghai. Chinas Kapitalmarkt freut sich über viele IPOs.REUTERS
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Der Großteil der IPOs im ersten Quartal fand in Asien, vor allem in China, statt. In Europa herrscht Flaute.

Frankfurt/Wien. Ungeachtet der Börsenturbulenzen in der Corona-Krise haben im ersten Quartal zahlreiche Unternehmen den Gang an den Aktienmarkt gewagt. Weltweit gab es 235 Börsengänge, wie eine Untersuchung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY ergab. Das sind um elf Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Das Emissionsvolumen kletterte dabei um 89 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar. Allerdings war der Vorjahreszeitraum auch außerordentlich schwach gewesen. Vor zwei Jahren hatten die EY-Berater dagegen 323 Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von fast 50 Milliarden Dollar im ersten Quartal gezählt.

Trotz der Corona-Krise, die Ende Jänner dieses Jahres zur Abriegelung der chinesischen Millionenmetropole Wuhan geführt hatte, fanden im laufenden Jahr bisher 68 Prozent aller weltweiten Börsengänge in Asien statt, besonders in Shanghai und dem Juniormarkt Star. In Österreich und Deutschland schaffte es dagegen kein einziges Unternehmen auf das Parkett.

 

Weitere Steigerung im März

An vielen Aktienmärkten hatten Investoren zunächst gelassen auf die Ausbreitung des neuartigen Virus reagiert. Seit Ende Februar kam es dann zu teilweise massiven Kursstürzen. Dennoch sei die Zahl der weltweiten Börsengänge im Verlauf des ersten Quartals kontinuierlich gestiegen: von 75 im Jänner über 77 im Februar auf 83 im März, teilte EY am Donnerstag mit.

In China einschließlich Hongkong gab es im ersten Vierteljahr 90 Börsengänge – um 23 mehr als im Vorjahreszeitraum. In Asien insgesamt waren es 159. In den USA lagen die Aktivitäten mit 24 Transaktionen auf Vorjahresniveau, in Europa sank die Zahl der Börsengänge dagegen von 24 auf 18. In den westlichen Märkten sei der Markt gegen Ende des ersten Quartals ins Stocken geraten. „Die Corona-Pandemie in dieser Geschwindigkeit und Dimension kam für die allermeisten Marktteilnehmer ziemlich überraschend“, erläuterte Hubert Barth, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung Deutschland.

 

Das Ranking der Größten

Auch beim Emissionsvolumen hatte China den Angaben zufolge die Nase vorn: Insgesamt sammelten die Neulinge an den chinesischen Börsen 13,2 Milliarden Dollar (12,2 Mrd. Euro) ein – etwa doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. In den USA kletterte das Emissionsvolumen um 39 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar. In Europa lag es bei 1,2 Mrd. Dollar.

Der weltweit größte Börsengang im ersten Quartal war übrigens das IPO des chinesischen Hochgeschwindigkeitsbahnbetreibers Beijing-Shanghai High Speed Railway, das im Jänner 4,4 Milliarden Dollar einbrachte. Dahinter landete der Shopping-Mall-Betreiber CRC, der bei seinem Börsendebüt in Thailand 2,3 Milliarden Dollar erlöste, der US-Arzneimittelentwickler PPD sammelte 1,9 Milliarden ein.

Die IPO-Berater geben trotz der Corona-Krise und ihrer Folgen für die Wirtschaft die Hoffnungen auf Neuzugänge an den Börsen noch nicht auf. „In den kommenden Monaten dürften auch in Europa und den USA Unternehmen mit belastbaren Geschäftsmodellen in ausgewählten Sektoren wie Healthcare und Technologie weiterhin den Schritt aufs Parkett wagen“, sagte EY-Experte Martin Steinbach. (APA/Reuters/est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2020)